Persien/Iran, eine deutsche Seelenlandschaft (1)

Da der Syrien-Konflikt mit dem grünen Licht von Israels Präsident Netanyahu für die Russland-Syrien-Iran-Achse eine für manche - für mich nicht! - unerwartete Wendung nimmt, werde ich meine bereits einmal in der Freitag-Community erschienene Iran-Serie hier reposten und weiterschreiben. Ich habe nämlich eine seit 57 Jahren andauernde Beziehung zum Iran. Als Sechsjährige hatte ich mich in den Schah verguckt und wollte Kaiserin von Persien werden. Mit meiner emotionalen Beziehung stand ich allerdings im Nachkriegsdeutschland nicht alleine.

 

In den fünfziger Jahren war uns "der Pfauenthron" so nahe, wie unsere eigene Regierung nicht. Der Schah war von "der Deutschen auf dem Pfauenthron", Soraya, geschieden, Soraya lebte mit Mutter und Bruder in Köln, meiner Heimatstadt, und der Schah suchte eine neue Frau.


So beschloss ich, Kaiserin von Persien zu werden.

 

Nun gut, 1959 heiratete er dann Farah Diba, aber ich war zunächst noch optimistisch: schließlich hatte es mit Fawzia (kölsch: et Faffzia...) und Soraya auch nicht geklappt. Jetzt hieß es für mich, die Nerven zu behalten und zunächst gelassen abzuwarten - mal sehen, ob Farah das schaffte, das mit dem Kronprinzen. Ein Jahr später mußte ich dann meine Ambitionen auf den Pfauenthron begraben: der Kronprinz war da! Persien wurde zunächst einmal ad acta gelegt.
Da die drei Gattinnen in Deutschland immer auf besonderes Interesse stiessen und seinerzeit in der Regenbogenpresse gut vertreten waren, kann man besonders an ihnen die "Seelenlandschaft Persien" sowie die deutschen Projektionen und Wunschvorstellungen verdeutlichen.


Natürlich ging es mehr um die Klamotten der Damen und um Herzschmerz als um Politik. Hier zunächst:


"Her Sultanic Highness, Fawzia bint Fuad of Egypt and Sudan"


Korrekt ausgesprochen wurde sie übrigens "Fausia" aber für die Kölner blieb sie "et Faffzia". Was war der Hintergrund für die Entscheidung, die sunnitische Prinzessin mit dem schiitischen Prinzen zu verheiraten?


Nun, es gab auch im System der orientalischen Monarchien eine Hierarchie: die vornehmste war die des Scherifen von Mekka. Er wurde von den Briten vertrieben, seine Nachfahren als Könige in Großsyrien/Irak bzw (Trans-)Jordanien angesiedelt, aber adelstechnisch sind sie im Orient das, was die Habsburger in Europa sind. Nun war die Dynastie Pahlewi in diesem System so ungefähr auf dere Höhe angesiedelt, die bei uns "Grimaldi" hat - nicht wirklich vornehm, denn der Gründer war ein ehemaliger Schafhirte, der es über die Unteroffizierslaufbahn auf den Thron geschafft hatte.


"Grimaldi" war auch das Königshaus von Ägypten, das sich auch von einem Aufsteiger  herleitete: einem osmanischen General mazedonisch-albanischer Herkunft. Fawzia die "asiatische Venus" schaffte es hauptsächlich wegen ihrer Schönheit in die Medien. Sie war - wie ihre Nachfolgerin Soraya, eine Lady Di ihrer Zeit und erlitt auch ein ähnliches Schicksal: Ihre Familie holte sie, vollkommen abgemagert und depressiv, 1945 nach Ägypten zurück.


Das Königshaus von Ägypten war, wenn überhaupt nur mit einer "Hofberichterstattung" über Prasserei, Parties und Klamotten in den Medien, was Fawzias Bruder, Faruk, 1952 vom Thron fegte, allerdings vorher schon zur Gründung der Muslimbruderschaft geführt hatte, die sich zunächst als soziale Bewegung verstand. Die Wahl der Prinzessin hatte drei Gründe: erstens passte die protokollarische Ebene ("Grimaldi"), zweitens ging es im Iran um Öl, die Dynastie WAR "das Öl", die Ägypter waren "der Transportweg", der Suez-Kanal. Somit wurde das Öl mit dem Transportweg verheiratet und die, die dem iranischen Volk das Öl stehlen wollten, zufrieden - erstmal. Der dritte Grund war, daß der Thronfolger und spätere Schah nicht mal seinem Vater für den Job geeignet erschien. Die jeweilige Ehefrau sollte aufpassen, daß er nicht zuviel Unsinn anstellte. Fawzia gelang das nicht, Soraya auch nicht und Farah nur teilweise.




Der Vater des Schah, Reza der Große


Er war aus ärmsten Verhältnissen auf den Thron gekommen, nachdem die Qajjaren-Dynastie definitiv abgewirtschaftet hatte.

Dieser Mann hat eine beeindruckende Biographie - aus armen Verhältnissen schaffte er es bis auf den Kaiserthron. Um ihn ranken sich zahlreiche Legenden, zum Beispiel die, daß er vom Unteroffiziers- in den Offiziersstand aufgestiegen sei, weil er - der Spieß - ein Gefecht gegen die Russen geführt habe, als alle Offiziere die Hosen voll gehabt hätten. Das habe ihn in den Offiziersstand aufrücken lassen. Solche Geschichten sind natürlich nicht belastbar. Eine weitere, für die man keine sichere Quelle findet, ist die, daß er habe prüfen lassen, ob - anstelle seines ältesten Sohnes, von dem er nachweisbar nicht viel gehalten hat - nicht dessen Zwillingsschwester, Prinzessin Ashraf, ihm auf den Thron nachfolgen könne. Das sei jedoch verworfen worden. Wenn man hier liest, was über sie geschrieben wurde, hält man es allerdings für möglich.:


"Princess Ashraf was no ordinary woman. At a time when Iranian women were expected to be submissive, quiet breeding machines, she was negotiating political agreements with Stalin! It was the mid 1940s, and Princess Ashraf was only a very young woman, but her tough negotiating style forced Stalin to turn a 10 minute meeting into one lasting over two and a half hours. If that wasn’t incredible enough, she garnered his deep, unqualified and lasting respect. The brutal dictator later said that, if the Shah “had ten like [her], he would have no worries at all.” Stalin might have admired her ruthlessness and steely character, but others were not so complimentary." Verschiedene Quellen hier.


Fawzia wurde aus ihrer Stellung und dem Iran gemobbt, was in den europäischen Medien damit erklärt wurde, daß sie nur eine Tochter zustandegebracht hätte. Andere Quellen hatten dafür andere Erklärungen.


Hier ist noch ein kurzes Video über Reza Schah, den Dynastiegründer:




Soraya


Dann kam Soraya, die Tragische. Nein, sie war nicht "die Deutsche auf dem Pfauenthron", sondern sie war eine Bakhtiari-Prinzessin und das gab den Ausschlag, denn:


"The Bakhtiari captured Teheran under the Haft Lang Khan Sardar Assad and playd a significant role in constitutional reform and the abdication of Mohammad Ali Shah Qajar (r.1907-1909) in 1909, after which he was exiled in Russia, Reza Shah Pahlevi (r. 1925-1941) attempted to destroy the Bakhtiari and they have never fully recovered since that time."


Die Bakhtiari waren der kaiserlichen Zentralmacht nach diesem Ereignis nicht freundlich gesinnt, machten aber 35% der Bevölkerung aus. Die Heirat mit einer Vornehmen ihres Stammes sollte sie versöhnen. In Deutschland kam das allerdings so nicht rüber: man hielt fest an der grünäugigen "Deutschen" (die Mutter war Berlinerin mit baltischen Wurzeln) und überschlug sich vor Entzücken, als Soraya, in fast fehlerfreiem Deutsch,  in Hamburg anlässlich eines Staatsbesuch berichtete, was "Seine Majestät" so denkt und meint. Zu jener Zeit war sie in den Medien so vertreten, wie später nur Lady Di, weswegen die Yellow-Press-Erzeugnisse damals "Soraya-Blätter" hiessen.


Von Soraya weiss man nur, dass sie angeblich "verstossen" worden sei. Ein Film über ihr Leben stellt allerdings - unbeanstandet - eine völlig andere Spekulation an: sie habe sich aktiv für Mohammed Mossaddeqh eingesetzt, was ihr als Illoyalität ausgelegt worden sei. Mossaddeq war der, seinerzeit für die Westmächte vollkommen indiskutabel, den Ertrag aus der Ölförderung nationalisieren wollte, weswegen er mit Hilfe des britischen und US-Geheimdienstes - und unter richtunggebender Beteiligung von Prinzessin Ashraf - weggeputscht wurde. Prinzessin Ashraf habe die Scheidung von Mohammed Reza und Soraya betrieben. Ein Trailer des Films enthält auch eines der angeblichen Treffen mit Mossadeqh:




 

Großbritannien verklagte den Iran vor dem internationalen Gerichtshof. Hier ist das Statement von Mossadeqh. Damals wurde ein internationaler Boykott ausgerufen, um Mossadeqh in die Knie zu zwingen - ein Boykott von Öl aus dem Iran!

 

"Our long years of negotiations with foreign countries… have yielded no results this far. With the oil revenues we could meet our entire budget and combat poverty, disease, and backwardness among our people. Another important consideration is that by the elimination of the power of the British company, we would also eliminate corruption and intrigue, by means of which the internal affairs of our country have been influenced. Once this tutelage has ceased, Iran will have achieved its economic and political independence. The Iranian state prefers to take over the production of petroleum itself. The company should do nothing else but return its property to the rightful owners. The nationalization law provide that 25% of the net profits on oil be set aside to meet all the legitimate claims of the company for compensation… It has been asserted abroad that Iran intends to expel the foreign oil experts from the country and then shut down oil installations. Not only is this allegation absurd; it is utter invention".

 

Quelle und Zusammenfassung der Geschichte des Putschs.

Fortsetzung folgt.