Gallipoli

25.04. 1915: Beginn der Gallipoli-Bodenoffensive mit der Landung hauptsächlich australischer und neuseeländischer Truppen (Australian and New Zealand Army Corps, ANZAC) mit 30.000 Soldaten auf der Halbinsel Gallipoli. Strategisches Ziel: Gallipoli sollte Zwischenziel sein auf dem Weg der Eroberung Konstantinopels. Die Truppen des Empire wuchsen später auf 469.000 auf, verstärkt durch 79.000 Franzosen. Die Landung und somit der Beginn der Bodenoperationen erfolgte, da der eigentliche Plan, die Halbinsel durch reine Marineoperationen zu erobern, auf den der Erste Lord der Admiralität (=Marineminister), Winston Churchill, gesetzt hatte, gescheitert war. Es kam zu einem 8 Monate dauernden Gemetzel. Nach achtmonatigem, erbittertem Kampf verließen die Briten und ihre Verbündeten am 9. Januar 1916 geschlagen das Schlachtfeld.

 

Die Schlacht kostete 44.072 alliierte und 57.263 osmanische Soldaten das Leben.

Bildnachweis: Charles Dixon, the Landing at Anzac 1915, http://warart.archives.govt.nz/

Für die britischen Generale war dies das Ende ihrer Karriere, Winston Churchill, der das Dardanellen-Abenteuer forciert hatte, musste zurücktreten und aus der Regierung ausscheiden. Für den erfolgreichen Truppenführer Mustafa Kemal bedeuteten dessen Erfolge den Anfang eines Aufstiegs, der ihn, zunächst mit dem Ehrentitel „Gazi“ (hier: militärischer Sieger und dem Generalsdienstgrad (Pascha) schmückte und ihn dann, als „Atatürk“ (Vater der Türken“) bis an die Staatsspitze führte.

 

In Australien und Neuseeland ist der ANZAC-Day Nationalfeiertag. Zusammen mit der Türkei wird dieses Tages als gemeinsamer Erfahrung gedacht, da er – in jeweils unterschiedlicher Weise - ein Meilenstein in der Entstehung der heutigen Staaten war: Australien, erst seit 13 Jahren ein eigener Staat, sah den Dienst als Mittel, sich als solcher zu „beweisen“ und eine nationale Identität herauszubilden, das gleiche galt sinngemäß für Neuseeland. Im Neuseeland-Anteil von ANZAC kämpften auch Maori-Soldaten und stellten auch Sanitäter und Seelsorger wie den Truppenpfarrer Henare Wepiha Te Wainohu.

 

Mustafa Kemal Atatürk verfasste 1934 einen Text, der nicht nur auf einer Tafel auf einem der Soldatenfriedhöfe von Gallipoli , Ari Burnu, steht, sondern auch auf einem Denkmal in Canberra, Australien und auf einer Tafel vor dem Parlament in Neuseeland:

 

Übersetzung:

Ihr Helden, die ihr Euer Blut vergossen und Euer Leben verloren habt, 

Ihr ruht jetzt in Freundesland. Ruhet in Frieden!

Wir machen keinen Unterschied zwischen den Johnnies und den Mehmets,

Wie sie hier in unserem Land, Seite an Seite, liegen.

 

An die Mütter, die aus fernen Landen ihre Söhne sandten: Wischt Eure Tränen weg!

Eure Söhne liegen an unserem Herzen und ruhen jetzt in Frieden.

Nachdem sie auf diesem Boden ihr Leben verloren,

                              Wurden sie auch zu unseren Söhnen.

Bildnachweis: Soldatenfriedhof Ari Burnu,http://www.nzhistory.net.nz

 

 

Die Soldatenfriedhöfe auf Gallipoli werden von Australiern, Neuseeländern und Türken gemeinsam gepflegt, sehr viele Neuseeländer und Australier kommen jedes Jahr zu den Gedenkfeiern.

Der letzte Alliierte "Anzac", Alec Campbell starb 2002 im Alter von 103 Jahren. Das nebenstehende Bild, eine der Ikonen nicht nur dieser Schlacht, sondern des gesamten Ersten Weltkriegs. Der 16-jährige hatte sich für die Rekrutierung zwei Jahre älter gemacht. Hier ist seine Geschichte.

Für Mustafa Kemal wurde der Sieg bei Gallipoli der Anfang einer beispiellosen politischen Laufbahn, Winston Churchill brachte 1944 die militärischen Lehren des Gallipoli-Feldzugs in die Planung der Invasion der Normandie mit ein und trug so zu deren Erfolg bei.

 

1971 brachte Eric Brogle das Antikriegslied heraus, das die Schlacht aus der Sicht eines einfachen Soldaten schildert. Mittlerweile wurde es von mehreren Interpreten gecovered, unter Anderem Joan Baez:

Bildnachweis: public domain (?)

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