23. August 1989 - der Baltische Weg

Am Jahrestag des Hitler-Stalin (bzw. Molotow-Ribbentrop)-Pakts, der Lettland und Estland der sowjetischen und Litauen der deutschen Einflusssphäre zuordnete, bildeten über eine Million Menschen aus diesen Staaten eine mehr als 600km lange Menschenkette, die später unter dem Namen „Baltischer Weg“ berühmt wurde.

 

Der Weg führte über:

Litauen: Vilnius – Širvintos – Ukmergė – Panevėžys – Pasvalys

Lettland: Bauska – Iecava – Ķekava – Rīga – Vangaži – Sigulda – Līgatne – Drabeši – Cēsis – Lode – Valmiera – Jēči – Lizdēni – Rencēni – Oleri – Zasi – Rūjiena – Koniņi

Estland: Nuija - Karksi – Viljandi –Türi –Rapla – Tallin.

Er wurde gemeinsam organisiert von den Nationalbewegungen der drei Länder: der Estnischen Volksfront, Rahvarinne, der Lettischen Volksfront und der Litauischen Reformbewegung, Sajudis.

Im Jahr zuvor hatten die Oppositionsbewegung aller drei Länder schon Veranstaltungen durchgeführt, von denen die Gesangsveranstaltungen in Estland unter dem Namen „Singende Revolution“ bekannt wurden: zu mehreren Gelegenheiten trafen sich bis zu 300.000 Menschen, um, als Akt des Widerstandes estnische Volkslieder zu singen.

Der 25. Jahrestag des Baltischen Wegs, am 23. August 2014 stand im Zeichen der Solidarität mit der Ukraine. Es fanden nicht nur in den baltischen Staaten, sondern auch in Georgien Solidaritätsveranstaltungen für die Ukraine statt. Mit Veraanstaltungen in Kiew und Charkiw schloß sich die Ukraine symbolisch dem Baltischen Weg an.

 

Die Hymne des Baltischen Weges: "Wacht auf, Ihr Baltenstaaten".

Die Phase des erneuten Widerstands gegen die sowjetischen Besatzer,  von 1987 bis 1991 nennt man auch "die singende Revolution". Die sowjetischen Besatzer hatten in zwei Deportationswellen, 1941 und 1949 Hunderttausene Bürger dieser kleinen baltische  Völker nach Sibirien, Kasachstan und andere Sondersiedlungsgebiete verschleppt. Viele sind in der Verbannung gestorben, viele Kinder waren durch den Tod ihrer Angehörigen auf sich alleine gestellt. Aufgrund dieser hohen Todesrate werden  von manchen Autoren diese Deportationen als Völkermord bezeichnet, " In einem Urteil von 2006 bezeichnete der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Vorgänge als Verbrechen gegen die Menschlichkeit" (Wikipedia).  All das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man meint, über die Kollaboration in den baltischen Staaten urteilen zu können und müssen, und nicht zuletzt diese Verbrechen erklären das Sicherheitsbedürfnis der baltischen Staaten und ihren schnellen Beitritt zur NATO und ihre kompromisslose Ablehnung von solchen - offenbar jetzt gescheiterten - Plänen für eine europäische Beteiligung an North-Stream 2, sowie die Reaktion auf als Erpressung wahrgenommene Anweisungen zur Aufnahme von Flüchtlingen.

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