Nachkriegsblonde Türkinnen, und die Europäischen Werte, oder so. Teil 3

Echt jetzt? Das impliziert ja, daß sie es bislang an Loyalität fehlen liessen. Und wieso gleich "hohes Maß"? Soll das sie Illoyalität von Leuten ausgleichen, sie an den Galgen wünschen, sie als Diktatorin beschimpfen, und die, obwohl auch sie "schon lange in Deutschland leben", nämlich seit der Wende, bis heute zutiefst illoyal sind. Zeit, über die Loyalität der Deutschen mit türkischen Wurzeln zu schreiben.

Und "entwickeln" heißt, sie hatten es bislang nicht.

Das bestreite ich mit Nachdruck!

 

Loyalität in der Bundeswehr

Bedingt durch meinen Beruf konnte ich in den Jahren darauf die meisten Erfahrungen in der Bundeswehr sammeln, was mir  heute vorkommt, als hätte ich wohl die ganze Zeit auf einer Insel der Seligen gelebt. Beim Schreiben der beiden vorherigen Folgen ist mir aufgefallen, daß es ein schleichender Prozess war, der das Klima zwischen Türken/Deutschtürken und Deutschen so vergiftet hat. Bei der Bundeswehr habe ich nur wenig davon mitbekommen. Ich denke nicht, ich habe mir da was vorgemacht. Natürlich habe ich auch Erlebnisse gehabt, die die üblichen Klischees bedienten, aber nie mit gebürtigen Muslimen - wenn es Probleme gab, waren das immer Konvertiten - aber auch das wurde gelöst. Und was dann blieb, waren alles Dinge, die man klären konnte - oder vertagen musste. Und ja, die Türken bei der Bundeswehr nahm man als Muslime wahr. Genau wie die Vertreter der anderen Nationalitäten.
Und dabei habe ich festgestellt, daß es an Loyalität und Bereitschaft zum Sich-Einlassen nie gefehlt hat. Weder bei Türken, noch  bei Soldat*innen mit Wurzeln in anderen muslimischen Ländern. Einige Beispiele:

Von türkischen Bekannten in Hamburg hörte ich, man denke über einen Einbürgerungsantrag nach, aber da sei ja der Wehrdienst... Man hätte da so viele Fragen: Ob es wahr sei, daß die muslimischen Landser zum Schweinefleischgenuss gezwungen würden? Ob es wahr sei, daß das Beten verboten sei und Alkoholkonsum Pflicht?

Wir haben damals interessierte türkische Familien  zum Tag der Offenen Tür eingeladen und alle Fragen beantwortet. Zum Dank fuhr einer aus der Gruppe, ein Lebensmittelhändler mit einer großen Ladung türkischer Leckereien bei uns vor.

 

Zu türkischen Leckereien gibt es noch eine weitere Geschichte: am nächsten Standort hatte ich einen "biodeutschen" Unteroffiziersanwärter aufgenommen. Nach einiger Zeit schlug der Krach: "ich habe es nicht nötig, mit einem Türken in einem Zimmer zu liegen...". Der "Türke" war ein Soldat mit bosnischen Wurzeln, aber egal. Ich hab den Deutschling sofort rausgeworfen und den Chef informiert, nach Rücksprache mit dem Kommandeur wurde der UA-Status aberkannt.

Und sonst noch? Da war der Fahrer des Brigadekommandeurs, der auf längeren Dienstfahrten, wenn der Herr Oberst auf dem Rasthof eine Pause machte, sein anstehendes Gebet verrichtete. Oder die  Eltern, die, damit ihr Sohn auf unserer Bettenstation halal verpflegt wurde, nicht nur für ihn, sondern auch für Sanitäter und Mitpatienten das Essen herbeischleppten, sehr zum Entzücken der so Beschenkten.

Mittlerweile machen auch türkeistämmige Soldat*Innen in der Bundeswehr Karriere: Die beiden Stabsoffiziere, Major Erhan Vorsavas und Leval Kaya Yildiz begleiteten den damaligen Verteidigungsminister, Thomas de Maizière in die Türkei und waren auch bei der Kranzniederlegung am Atatürk-Mausoleum an seiner Seite.

 

Nur *ein* Beispiel: Oberstabsarzt Dr. Leval Kaya Yildiz

Natürlich gilt mein besonderes Interesse noch immer den Soldatinnen bei der Bundeswehr. Frau Oberstabsarzt Dr. Kaya-Yildiz wird, wie ich den Veröffentlichungen entnehmen kann, nicht nur als Allgemeinärztin und Notfallmedizinerin, sondern auch als Muslima geachtet.

So durfte sie bei einer Feier zum Weltfrauentag aim Namen von ISAF, d.h., der gesamten Mission eine Ansprache halten: sie

"...erlebte kurz vor Einsatzende im PAT Taloqan das, was sie „ihre persönlich schönste Erfahrung“ während des Einsatzes nennt: Bei einer großen Feier zum Weltfrauentag durfte Leval Kaya-Yildiz eine Ansprache im Namen von ISAF halten, die auch Passagen aus dem Koran enthielt, in denen Ausbildung und Lehre der Frau unterstützt und gepriesen werden."

 

Das Bild oben zeigt sie bei ihrer Ansprache, das Bild rechts als Ärztin eines BAT (beweglicher Arzttrupp, eine sehr gefährliche Verwendung). Ihren Auslandszuschlag (ich glaube, mindestens 90,-- €/Tag) hat sie einem Mädcheninternat in Burkina Faso gespendet. Mittlerweile ist sie im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg und war an der ärztlichen Versorgung der in Wandsbek untergebrachten Flüchtlinge beteiligt.

So geht Integration: DeutscheR sein und dabein Türke/Türkin bleiben. Dann klappt das auch mit der Loyalität... Die Ministerin sollte das mal mit der Kanzlerin bereden. Sinngemäß gilt das natürlich auch für alle anderen Soldat*innen mit Wurzeln in weiteren 75 Nationen der Bundeswehr, die sich mittlerweile eine eigene Stimme gegeben haben.

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