Was die Anderen schreiben - Paul Goble erinnert an die von Stalin "bestraften Völker"

Bildnachweis: wikimedia commons, aufgenommen von 2010 von Gerald Praschl: der Zaun des mittlerweile auf die aktuellen Bedürfnisse putinistischer  Geschichtsklitterung zugerichteten ehemaligen GULAG-Museums "Perm-36".

 

Gestern wurde in Russland der Gedenktag für die Opfer der stalinistischen Repressionen begangen; man weiss nicht, wie lange das so sein wird.  Paul Goble erinnert mit seinem Artikel an die nach dem Zweiten Weltkrieg kollektiv, nach Artikel 58 des Strafgesetzbuchs der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik, bestraften und deportierten Völker und zieht eine Linie bis auf die heutige Krim.


Russen: verbunden durch die gemeinsame Tragödie


Heute werden viele Menschen in der Russischen Föderation innehalten, um an die Opfer politischer Repression zu erinnern, besonders die Menschen aus den vierzehn Völkern, die massenhaft deportiert wurden und den achtundvierzig anderen die nur teilweise deportiert oder anderweitig repressiert wurden – eine Liste, die, noch viel tragischer, weit davon entfernt ist, vollständig zur sein.


Während das Regime von Wladimir Putin zunehmend verteidigt, was Stalin tat, und versucht, jede Erinnerung an dessen Opfer zu blockieren, zeigt Elena Meygun von Nazaccent.ru auf, daß „mehr als 700 Denkmäler“ für die Opfer der stalinistischen Repression überall im Land errichtet wurden.

Nur wenige befinden sich in Moskau oder anderen Großstädten. Stattdessen sind sie auf dem Grund und Boden früherer Gefängnisse und Lager, Umsiedlungsorten und Massengräber. Um eine Vorstellung vom Umfang der Anstrengung zu geben, stellt sie Bilder und Informationen zur Verfügung, von denen einige – so ihre Worte – zeigen, daß „die Menschen in unserem Land nicht nur durch das Wort ‚Russisch‘ miteinander verbunden sind, sondern auch durch eine gemeinsame Tragödie.


Dieser Tag ist es wert, diese Bilder anszuschauen und an die Millionen menschlicher Opfer eines Systems, dessen Kollaps Putin als „die größte geopolitische Tragödie“ des 20. Jahrhunderts beschrieben hat, und sich, wenn man sie angeschaut hat, dazu zu verpflichten, sicherzustellen, daß keine weiteren Schritte in die Richtung auf dessen Wiederherstellung unternommen werden.


Und unglücklicherweise ist eine solche Wiederverpflichtung notwendig, nicht nur moralisch, sondern auch praktisch. Woran uns der Anführer der Krimtataren heute erinnert, ist, daß Moskau gerade, in analogen Handlungen, dabei ist, mit ethnischer Homogenisierung und Völkermord auf der besetzten Krim die Krimtataren zu vertreiben und stattdessen ethnische Russen dorthin zu senden.


Elena Mayguns Galerie

Update: in Moskau wurde ein neues Gulag-Museum eröffnet:
"Es ist längst überfällig, dass in Russland fast 25 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion und 62 Jahre nach dem Tod von Josef Stalin eine solche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte erfolgt. Dabei scheint Russland in den vergangenen Jahren eher zurückzufallen in die Zustände der Sowjetunion. Jedenfalls wird die Geschichte sehr oft für politische Ziele instrumentalisiert."


Auf der Krim finden wieder Vertreibungen und ethnische Säuberungen statt

Bildnachweis: QHA

Wie das krimtatarische Portal qha berichtet, hat Russland gleich nach der Annexion damit begonnen, Bewohner aus Zentralrussland, darunter Soldatenfamilien umzusiedeln.

Simferopol / Aqmescit (QHA) - 29.10.2015


Russland verfolgt mit seiner Politik auf der Krim nach der Annexion, einen weiteren Zweck. Nach der Annexion der Halbinsel, wurde begonnen, Bewohner aus Zentralrussland, einschließlich Soldatenfamilien umsiedeln.

Wie vom stellvertretenden Vorsitzenden der Werchowna Rada Ausschuss für Menschenrechte, nationale Minderheiten und internationale Beziehungen Georgy Logvinsky und Ausschussmitglied Mustafa Dschemiljew  angegeben, werden jetzt auf der Halbinsel viele Verstöße gegen die Genfer Konvention dokumentiert, die untersagt, daß eine Besatzungsmacht eigene Bürger in besetztem Gebiet ansiedelt.

Dschemiljew äußerte die Ansicht, daß Russlands Politik die gleiche wie zur Zeit der ersten Besetzung (nach dem 2. Weltkrieg) sei.

„Sie schufen die Bedingungen, die auf der Krim geborenen Menschen zu zwingen, die Krim zu verlassen und importieren zur gleichen Zeit massiv Menschen aus dem Inneren Russlands“.

Auf der Krim angesiedelt werden jetzt Menschen aus Tula, Archangelsk und Astrachan, die Land, Stipendien und finanzielle Unterstützung für den Wohnungsbau bekommen.

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