Kein Muslim hat je den Terror verurteilt

Schon 2008 hatte ich andernorts gegen das Dauermantra, daß kein Muslim je den Terror verurteilt hätte etwas geschrieben. Diese Behauptung war schon 2001, unmittelbar nach nine-eleven nicht wahr, 2008 nicht, 2016 nicht. Es wird von Muslimen, die keinerlei Einfluss auf die Terroristen haben, der "Aufstand der Anständigen" erwartet, und daß sie sich "endlich mal gegen den Terror positionieren" ... "und endlich mal eine Fatwa". Nun, all das ist längst geschehen, was viele jedoch nicht davon abhält, immer noch die Gebetsmühle zu drehen.

Bildnachweis: Tehran24.com, Mahnwache in Teheran am 18.September 2001

 

Lieber Stefan!

Den folgenden Text hatte ich 2008 als Antwort auf einen Kommentar in einem Gemeinschaftsblog, für das ich seit 2009 schon nicht mehr schreibe, verfasst, deswegen habe ich die direkte Rede belassen. Der damalige Artikel entstand als Reaktion von "Stefan" auf eine Pressemitteilung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (sic!) und gewinnt jetzt zusätzlich an Aktualität, da sich ein in Österreich kontrovers diskutierter Boulevardjournalist mit der Forderung nach einem "Verbot des Islam" zu Wort gemeldet hat. Der Islam ist in Österreich seit mehr als 100 Jahren staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft.

"Stefan" schrieb:

"Ist ja alles schön und gut....nur möchte ich die Verurteilung des Terrors nicht von den Funktionären irgendeiner Dachorganisation hören, sondern von der Basis, von den Muslimen unten auf der Strasse.
Die predigten von irgendwelchen Funktionären im warmen weichen Plüschsessel sind genau soviel Wert wie die Versprechen der Politiker. Meistens nicht das Papier wert auf dem sie gedruckt sind.
Wo sind die Lichterketten von betroffenen Muslimen?"

Meine Antwort:

Aber gerne doch. Nun muss man dazu sagen, daß ich lediglich über eine Aktion berichtet hatte. Die Glaubensgemeinschaft der österreichischen Muslime gibt solche Pressemitteilungen regelmäßig heraus. Da sie ein Dachverband ist, kann man davon ausgehen, dass sie die Mehrzahl der österreichischen Muslime vertritt. Ich muss gestehen, ich kann zwar für dieses konkrete Ereignis in Österreich keine Lichterkette vorweisen - was Sie, lieber Stefan sicherlich bemängeln werden - aber dafür habe ich jede Menge andere (Warum sind Ihnen Lichterketten so wichtig? Waren Sie mal Gutmensch?). Außerdem sind Lichterketten in Österreich langweilig. Ich bringe welche als Reaktion auf den 11. September - ich finde, da waren alle Muslime "betroffen". Ach ja: Sie haben natürlich recht: Plüschsessel sind vom orthopädischen Standpunkt ein Nono. Ich werde mit den Ösis und Ösinnen mal ein ernstes Wort reden müssen. Das sollte Autobahn sein, das geht garnicht. Aber jetzt zu den "Lichterketten" - wäre Ihnen für den Anfang eine aus Teheran recht?


Bildüberschrift:

The Images below are from a peaceful candlelight vigil on the streets of Tehran, Iran. (September 18th, 2001). The participants lit candles, mourned, and prayed to showed their grief over the loss of innocent life in the tragedies of Sept. 11th.

Übersetzung: die Bilder zeigen eine friedliche Mahnwache mit Kerzen auf den Straßen von Teheran am 18. September 2001. Die Teilnehmer*innen zündeten Kerzen an, klagten und beteten und zeigten so ihre Trauer über den Verlust unschuldiger Leben bei den Tragödien des 11. September.

Aufgerufen hatte die damalige Regierung unter Präsident Mohammad Chatami.

Dazu war eine sehr interessante website verlinkt.

Aber irgendwas sagt mir, dass Sie jetzt was Arabisches sehen wollen. Palästina? Gut, Palästina. Ist das schlimm, wenn die jetzt keine Lichter haben?


Gut, sie bestehen auf Lichter. Diese sind aus den USA:

Hübsch nicht?

Bangla Desh:

The following image is from a peaceful rally in the Muslim country of Bangladesh, who were showing this sympathy with Americans who have lost loved ones in this Tragedy.

 

Und hier trifft sich Präsident Bush am 17. September 2001 mit den Führern der amerikanischen Muslime:

Übersetzung:

 

"Ich danke Ihnen allen für Ihre Gastfreundschaft. Wir hatten gerade eine ausführliche Diskussion. Wie die guten Menschen, die hier mit mir stehen, sind die Amerikaner, genau wie die Muslime in aller Welt über die Angriffe von letzten Dienstag entsetzt und wütend. Sowohl das amerikanische Volk als auch unsere muslimischen Freunde, Steuerzahler und Bürger der USA, genau wie die Muslime in anderen Ländern waren entsetzt und konnten auch nicht glauben, was sie im Fernsehen sahen. Diese Gewalttaten gegen Unschuldige verstoßen gegen die Grundlagen des islamischen Glaubens. Es ist wichtig für meine amerikanischen Landsleute, daß sie das verstehen.

Die Übersetzung ist nicht so eloquent wie das arabische Original, doch lassen sie mich aus dem Koran selbst zitieren: "Auf lange Sicht werden diejenigen in extremem Übel (d.h. der schlimmsten Hölle) enden, die die Zeichen Allahs zurückweisen und lächerlich machen."

Das Gesicht des Terrors ist nicht das Gesicht des Islam. Islam ist Frieden. Diese Terroristen stehen nicht für Frieden, sie stehen für das Böse und für den Krieg. Wenn wir an den Islam denken, denken wir an eine Religion die einer Milliarde Menschen, überall auf der Welt Trost bringt. Milliarden Menschen finden finden Trost und Frieden. Und das macht Menschen jeder Rasse (Das Wort ist im Englischen nicht so belastet, wie im Deutschen.DS)

Amerika zählt Millionen von Muslimen zu seinen Bürgern. Muslime leisten einen unschätzbaren Beitrag zu unserem Land. Die Muslime sind Ärzte, Rechtsanwälte, Juraprofessoren, Soldaten, Unternehmer, Geschäftsleute, Väter und Mütter. Sie müssen mit Respekt behandelt werden.

Bei unserem Zorn, bei unseren Emotionen, müssen wir amerikanische Landsleute einander mit Respekt behandeln. Frauen, die in diesem Land ihr Haupt bedecken, müssen sich sicher fühlen, wenn sie ihr Haus verlassen. Mütter, die ihr Haupt bedecken, dürfen in Amerika nicht eingeschüchtert werden. Das ist nicht das Amerika, das ich kenne. Das ist nicht das Amerika, das ich wertschätze.

Mir wurde berichtet, daß einige dieser Frauen Angst haben, ihr Haus zu verlassen, Angst haben, mir ihren Familien einkaufen zu gehen, einige ihren täglichen Routinen nicht nachgehen wollen, weil sie sich bedecken. Das sollte und das wird in Amerika nich bestehen. Diejenigen, die meinen, sie könnten, um ihre Wut loszuwerden, unsere Mitbürger einschüchtern, repräsentieren nicht das Beste Amerikas. Sie repräsentieren das Schlimmste der Menschheit. Und sollten sich für dieses Benehmen schämen.

 

 

Genauso, wie die Solidarisierung von Millionen Muslim*innen in aller Welt mit den USA totgeschwiegen - und stattdessen irgendwelche Vollpfost*innen, die die Anschläge - machmal sogar gegen Bezahlung - bejubelten groß herausgestellt wurde, finden wir das Gleiche heute, wenn es um die Terroropfer geht. Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte.

Muß man sich da über die Verbitterung vieler Muslime noch wundern?

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