Am 6. April 1896

In Athen werden die 1. Olympischen Spiele neuer Zeitrechnung durch König Georg I. eröffnet. Dreihundert Athleten messen sich in neun Disziplinen.

Zunächst war man nicht begeistert, denn das Land hatte kein Geld für den Bau der Hauptkampfstätte, doch dann übernahm der schwerreiche Finanzier Giorgios Averoff die Kosten des Neubaus des Panathinaikos-Stadions aus eigener Tasche. Das Stadion steht auf den Ruinen seines antiken Vorgängers. König Georg I. eröffnete die Spiele vor 60.000 Zuschauern, es wurde in 9 Disziplinen von 300 Athleten aus 13 Ländern gekämpft.

 

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Geschichte

Die ersten überlieferten Olympischen Wettkämpfe fanden 776 im griechischen Stadtstaat Elis statt, doch soll das zu diesem Zeitpunkt schon eine 500 Jahre bestehende Tradition gewesen sein. Zweck der Spiele, die alle vier Jahre stattfanden, war es, den Gott Zeus zu ehren, in Elis befand sich ein Zeus-Heiligtum.

Auf ihrem Höhepunkt nahmen Angehörige aus über 100 griechischen Stadtstaaten teil. Die Spiele standen nur Männern offen. Nachdem sich einige Frauen in die Wettkämpfe geschmuggelt hatten, wurde die Teilnahme von Frauen unter Androhung der Todesstrafe verboten. Damit man auch ganz sicher ging, daß zukünftig ausschließlich Männer an den Wettbewerben teilnahmen, mussten die Herren nackt antreten. Die nackt auszuübenden Disziplinen nannte man die "gymnischen", dazu kamen noch die Pferdesportarten. Der Zehnkampf umfasste alles, was ein Soldat der damaligen Zeit zu können hatte.

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Auch damals gab es schon Korruption, Boykott, Berufsathleten und Starkult. Mächtigen schanzte man auch gerne schon mal einen Sieg zu. Nach einer wechselvollen Geschichte wurden sie als heidnisches Treiben 394 n. Chr. vom römischen Kaiser Theodosius I verboten.

Da die Spiele Teil einer größeren Veranstaltung, der "Panhellenischen Spiele" waren, ließ sich, anlässlich ihrer Wiederbelebung nach 1500 Jahren ganz wunderbar zur Stärkung der wiedererwachten griechischen Nationalidee daran anknüpfen. Hatte sich doch Griechenland erst 1830 - unter Anteilnahme von ganz Europa und russisch-österreichischer Federführung und einem deutschen Monarchen - als Staat konstituiert.

Seit der Renaissance war Griechisches wieder schwer angesagt, zumal als Antithese gegen die kulturelle Dominanz des Christentums. Zum Griechen-Revival gehörten auch lokale "Olympiaden", bis 1892 der französische Baron Pierre de Coubertin für die Wiederbelebung der Spiele eintrat und 1894 zum ersten Generalsekretär berufen wurde.Am 6. April 1896, dem Ostersonntag, war man am Ziel.

 

Olympiasieger wie damals wären heute nicht mehr möglich: im Tennis siegte ein Amerikaner, der noch nie zuvor einen Tennisschläger in der Hand hatte, im Radfahren jemand, der sich für die Wettkampfteilnahme ein Rad leihen musste.

Besonderen Anteil nahmen nicht nur die sechzigtausend Zuschauer im Stadion, sondern auch Averoff am Ausgang des Marathon-Laufs: Averoff hatte dem Sieger die Hand seiner Tochter und eine Millionenmitgift versprochen. Es siegte der Wasserträger Spiridon Louis – auch er hatte vor dem Wettkampf kaum trainiert. Während des Laufs hatte er sich an der Strecke mit zwei Gläsern Wein gestärkt. Er habe den Wettkampf als Wasserträger und Postbote begonnen und das Stadion als Millionär verlassen: man habe ihn – im Wortsinn – mit Geld und Juwelen überschüttet, unter den Geschenken waren sogar eine Schafherde und ein Feld, genannt „marathonischer Acker“. Auf das Angebot, Averoffs Schwiegersohn zu werden verzichtete er: er war schon verheiratet.

 

1936 wurde er als Ehrengast nach Berlin eingeladen. Er marschierte an der Spitze der griechischen Mannschaft, die geschlossen den rechten Arm zum „olympischen Gruß“ (so die Tonspur auf der offiziellen Kopie des berühmten Rieffenstahl-Films) erhoben hatte. Louis erhob seinen Arm nicht und hielt statt dessen ein Olivenbäumchen in der rechten Hand. Baron de Coubertin stand 1936 als Ehrengast mit dem italienischen Kronprinzen neben Hitler auf der Tribüne.

 

Bildnachweis: screenshot aus Leni Rieffenstahl, "Fest der Völker".

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