Während des Ramadan in Samarkand - Teil 2

Mein erster Weg führte mich zum Registan. Das berühmte Ensemble aus den drei Medressen ist in jedem Reiseführer zu besichtigen, ich habe mich lieber auf die Einzelheiten konzentriert.

 

1998 war man gerade dabei, das Ensemble, das über die Jahre nicht nur durch Fehler in den Wasserleitungen, sondern auch durch Fehler der sowjetischen Restauratoren schwer gelitten hatte, wieder neu zu restaurieren, oft auch nicht zu dessen Bestem.

 

 

„Plötzlich sahen wir bemalte Minarette, die in einem blauen Licht erzitterten, das unter die Haut ging und große Kuppeln von einem Blau, gleich dem Blau des Mantels der heiligen Jungfrau, die zusammen mit den mächtigen Gebäuden das Gewicht des Himmels schulterten, mitten unter leuchtend grünen Bäumen und Gartenanlagen.“

Laurens van der Post, Journey into Russia, 1964

 

Danach fahren wir zum Registan - und ich bin enttäuscht. Ich kannte den Registan von Fotos und von Reisebeschreibungen. Die Fotos waren meistens mit Weitwinkel aus bester Perspektive in strahlendem Sonnenschein aufgenommen oder angestrahlt in der Nacht, die Verfasser der Reiseberichte immer bewegt, erschüttert, ergriffen.

 

 

Und was sehe ich? Einen Platz mit drei alten, beschädigten Bauwerken an einem kalten Januartag! Schluck. Ich bin enttäuscht. War ich denn nicht so weit gereist, um mir hier ebenfalls meine programmgemäße Ergriffenheit abzuholen? Hatte ich nicht geradezu einen Anspruch darauf? War sie denn nicht im Reisepreis inbegriffen, die Ergriffenheit?

 

Schlecht gelaunt starre ich auf die Bauwerke. Fast vergeht mir die Lust am Fotografieren. Mir kommt der Ausdruck von Marlene Dietrich in den Sinn:“...zu Tode fotografiert...“. Aber ich fotografiere doch und dieser Film wird derjenige sein, der mir als Einziger mißlungen ist. Klar, sowas von Undankbarkeit, sowas von kufr (zum Unglauben zählt auch die Undankberkeit), was ich hier wieder mal an den Tag lege...

 

Langsam begreife ich nämlich, was für ein Spiegel mir hier gerade vorgehalten wird: in allen Reiseführern und Berichten schreiben die Autoren von der Schönheit und Atmosphäre dieses Ortes und ich bin hierhergekommen, um mir genau dieses Bewegt-, Erschüttert-, Beeindrucktsein hier abzuholen, damit es mir, sozusagen im Sofortverfahren, genügend Schub für Entwicklung und religiöse Praxis zu Hause geben soll - und gerade das funktioniert nicht! Fast hätte ich mich in meinen Projektionen und Erwartungen verfangen. Ich denke, jeder, der über dieses Land geschrieben hat, hat am meisten über sich geschrieben, ohne (sich) das immer einzugestehen. Jeder kam mit Erwartungen und Projektionen hierher und beschrieben wurden dann die nicht die Realität, sondern die Produkte der Projektionen. Und das schuf dann eine durch das „Innen“ des Autors, ins „Außen“ projiziert, die zweite, die Meta-Realität.  

 

Ich erfahre neben dem, was in jedem Kunst-Reiseführer steht, daß das zweite Minarett der Ulugh Beg-Medresse 1932 kurz vor dem Einsturz stand und nur der Erbaue des Moskauer Fernsehturms in der Lage war, den Turm wieder aufzurichten, erfahre, daß „Moskau“ zuletzt 1979 Restauratoren und 2 ½ kg Blattgold für die Tilla Kari-Medresse geschickt hat. Die Arbeit hat mittlerweile durch zwei Erdbebenstöße und die durch die Baumwollbewässerung bedingte Bodenfeuchtigkeit wieder arg gelitten. Außerdem waren die früheren Renovierungsbemühungen auch nicht immer zum Besten der Bauwerke. Innen sieht man die Brüche im Mauerwerk, die vom Gewicht der viel zu schweren Betonkuppeln herrühren und irgendjemand hat mitten in die Goldbeläge hineingebohrt, wohl um so die von unten ins Gemäuer ziehende Feuchtigkeit abzulassen. Doch über die nicht immer erfolgreichen Renovierungen wurde bereits von anderen gelästert - das brauche ich hier nicht auszuwalzen.

 

In den früheren Derwisch-Zellen befinden sich jetzt Souvenir-Shops und ich erstehe einige Goldlamé-Käppchen und ein angebliches Derwischgewand.

 

Samarkand ist eben nicht nur die Perle Mittelasiens, sondern auch eine postsowjetische Großstadt, es war nicht nur ein Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit und Zentrum mittelasiatischer Baukunst, sondern die erste Hauptstadt der usbekischen SSR, und auf dem Registan wehte 1924 die Rote Fahne.

 

 

Samarkand, die Schöne

 Samarkand ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und hat heute 600.000 Einwohner. Es liegt 700 Meter über dem Meer in der Oase des Flusses Serafschan in der Wüste Kyzyl kum. Es hat eine Universität, fünf Hochschulen und fünfzehn höhere Schulen. Samarkand ist neben Taschkent das wichtigste Industriegebiet Usbekistans. Es gibt Leichtindustrie, z. B. eine Kühlschrankfabrik, eine Konservenfabrik mit einem Ausstoß von 200 Millionen Obst- und Gemüsekonserven jährlich, oder eine Porzellanmanufaktur mit einem Ausstoß von 22 Millionen Teilen jährlich, Maschinenbau, chemische Industrie, Elektrotechnik, weitere Nahrungsmittelindustrie, Seidenspinnerei und -weberei gibt es ebenfalls.

 

Samarkand von samar=fruchtbar und kand=Ansiedlung existiert seit 2500 Jahren und wurde schon im Altertum gerühmt wegen seines Überflusses an Licht und Sonne. Die ersten Spuren menschlichen Lebens, die man hier fand, datiert man bis zu 40.000 Jahren zurück 1966 bis 1972 fand man bei Ausgrabungen am Flußlauf des Serafschan vier- bis sechstausend Jahre alte steinerne Pfeilspitzen. Aus der Bronzezeit stammen kupferne Schmuckstücke, die man in Afrasiab, dem Altertumsbezirk von Samarkand fand, Reste einer Stadtmauer kann man auf ca. 1.500 vor Christus datieren, doch das eigentliche Samarkand ist ca. 2.500 Jahre alt.

 

Unter dem Namen Afrasiab war es als erstes Hauptstadt der Sogdier. Über diese Zeit kann man sich im Afrasiab-Museum informieren, das der heute immer noch riesigen Ausgrabungsanlage angeschlossen ist. Von der Ausgrabungsanlage aus hat man übrigens genau den gleichen Blick auf die Stadtmauern von Samarkand, den die Truppen Qutaiba ibn Muslims bei ihrer Belagerung hatten.

329 vor Christus eroberte Alexander der Große die Stadt nachdem nach 18-monatiger Belagerung der letzte Sogdierfürst, Spitamenes, ermordet worden war. Marakanda, so der Name jetzt, gehörte zum Gräko-Baktrischen Reich, das einen großen Teil des Südens Mittelasiens umfaßte als Hauptstadt der Satrapie Bactria. Nach dem Tod Alexanders verweigerten die Diadochen jedoch Königin Roxanna und ihrem kleinen Sohn die Gefolgschaft und Baktrien zerrieb sich in Diadochenkämpfen.

Die wesentlichen künstlerischen Hinterlassenschaften aus jener Zeit sind buddhistische Kunstwerke in unverkennbar griechischem Stil. Allerdings blieb die vorherrschende Religion in Samarkand zu jener Zeit die Religion des Zarathustra.

 

Im Rahmen der innerchinesischen Machtkämpfe sowie der Verteidigung nach Außen entstand im 3. Jahrhundert durch in den Westen getriebene Stämme das Kuschan-Reich , als „Nebenwirkung“ der Handel mit dem Westen bis hin nach Rom und die Seidenstraße. An der Kreuzung zweier Handelswege der Seidenstraße stieg Samarkand zum ersten Mal zu „internationalem“ Ruhm auf, wurde märchenhaft reich und war so bis zu einem gewissen Grad vor Invasionen geschützt. Angefangen hatte es damit, daß die Chinesen, die als einzige das Geheimnis der Seidenherstellung kannten, herausgefunden hatten, daß sie weiter westlich als hervorragende Handelsware dienen konnte.

 

Die Römer, die diesen Stoff „sericum“, serische Schleier nannten und von ihm schwärmten, er sei leicht wie eine Wolke und durchsichtig wie Eis, hatten ihn erstmals durch erbeutete parthische Truppenfahnen kennengelernt.

 

Sie wogen ihn den Chinesen in Gold auf - die langen Karawanen lohnten sich also und sie lohnten sich fast tausend Jahre. Dann lernte man auch im Westen Seide herzustellen. Allerdings blieb Samarkand internationaler Handelsknotenpunkt , bis man im 16. Jahrhundert die Seewege entdeckte.

224 v. Chr. bis 651 n. Chr. gehörte Samarkand zum persischen Sassanidenreich das den mittlerweile muslimischen Arabern unterlag. Die arabischen Heere überquerten 654 den Amu Darja (Oxus), doch Samarkand konnte sich bis 712 widersetzen. Kutham ibn Abbas, der legendäre Cousin des Propheten (a.s.s.) soll sich 676 dort aufgehalten haben und gefallen sein.

Sowjetische Historiker interpretierten den Widerstand Samarkands als Widerstand einer Volksdemokratie gegen ausländische Unterdrückung und stilisierten die Stadt zum Hort des Freiheitskampfes gegen das Kalifat und die Legende berichtet, daß schließlich ein Rededuell die Schlacht entschieden habe:

712 n. Chr. habe Qutaiba ibn-Muslim, der Gouverneur von Chorassan persönlich die Belagerung Samarkands geleitet. Als er die Stadt zur Aufgabe aufrief, hätten die Verteidiger ihm zugerufen, es gäbe eine Prophezeiung, daß die Stadt nur von einem Mann mit dem Namen „Kamelsattel“ eingenommen werden könne. Sie hielten es schlicht für unmöglich, daß jemand ernsthaft so heißen konnte, doch „qutaiba“ ist das arabische Wort für Kamelsattel und so öffneten sie die Stadttore.

Als nächstes, so wird erzählt, mußte der Herrscher barfuß neben dem Pferd Qutaiba ibn Muslims hergehen und dieses durch das Stadtor in die Stadt führen. Qutaiba sei in der Stadt abgesessen, habe 2 rak’at gebetet, das „Gebet des Truppenführers“ und verkündet: „Ich bin gekommen, euch den Islam zu bringen.“

 

Von ihm wird berichtet, daß er den Islam rücksichtslos durchsetzte, die Träger der Vorläuferkulturen Zoroastrismus und Buddhismus umbringen ließ und alle vorhandene wissenschaftliche Literatur vernichtete. Allerdings berichten spätere Reisend noch von Angehörigen anderer Religionen, Buddhisten und nestorianische Christen werden namentlich erwähnt.

Zunächt konnte Qutaiba sich nur auf eine in Samarkand stationierte Garnison stützen und mußte noch die nominelle Autorität des Herrschers, Ghurak mit Namen, anerkennen, der sich 720 einem türkisch inspirierten Aufstand gegen die Araber anschloß. Nach der Niederschlagung dieses Aufstandes war die Position der Araber allerdings gefestigt. Und zunächst, bis 730 verlief auch der Prozess der Islamisierung Samarkands außerhalb der arabischen Garnison schleppend.

751 wurde in Samarkand die erste Papierfabrik Mittelasiens errichtet. Die Araber hatten von chinesischen Kriegsgefangenen gelernt, aus Lumpen Papier herzustellen. Das war der Beginn der islamischen Buchkunst in Mittelasien.

 

„Wie in anderen Gebieten des islamischen Kulturkreises äußerte sich auch in Mittelasien die Wertschätzung des Buches in seiner künstlerischen Gestaltung. Waren es zunächst Koranhandschriften, denen besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde, so erlebte die Buchkunst ihren eigentlichen Höhepunkt seit dem 15. Jahrhundert, als die Verzierung von Werken der klassischen persischen Poesie zu ihrem wichtigsten Betätigungsfeld wurde...“

Karin Rührdanz

In dieser Zeit entstanden die ersten Bibliotheken.

 

Vom 9. - 12. Jahrhundert wurde Samarkand, die Hauptstadt und reichste Stadt Transoxaniens nacheinander von den Samaniden, Karakahaniden, Seldschuken und Choresm-Schahs beherrrscht, meistens von Buchara aus. Der arabische Reisende Abulqasim ibn-Khakal besuchte Samarkand im 10. Jahrhundert und beschrieb seinen Blick von der Zitadelle wie folgt:

„Ich sah einen der schönsten Ausblicke der je einem Mann zuteil wurde: wundervoll grüne Bäume, herrliche Schlösser...all dies spiegelt sich in Kanälen und künstlichen Teichen...es gibt kaum Häuser, die keinen Garten besäßen...“

Die Stadt wurde im zehnten Jahrhundert ebenfalls von den arabischen Geographen al-Istakri, Ibn Hawkal und al Mukkadasi besucht.

 

1220 wurde die Stadt dann von Dschinghis Khan, der „sengenden Sonne Satans“ erobert, nachdem dieser schon in Buchara gewütet hatte. Er zerstörte zuerst das ausgefeilte Kanalsystem, das 400. 000 Stadtbewohner mit Wasser versorgt hatte, und die noch aus vor-islamischer Zeit stammte. Sie war von den Zoroastriern angelegt worden, denen traditionell ihre Pflege und Wartung oblag und die dafür von der Steuer befreit waren. Dann massakrierte er drei Viertel der Einwohnerschaft, wobei seine Truppen von den Truppen seiner Söhne Chaghatai und Ögödei unterstützt wurde.  Davon erholte sich Samarkand zunächst nicht wieder, die Einwohnerschaft der nunmehr neben dem alten Stadtgebiet wiedererrichteten Stadt stagnierte bei 100.000, doch bereits 1333 beschrieb Ibn-Battuta Samarkand wieder als

 

„eine der größten und schönsten Städte der Welt“.

 

1334 wurde der „Gastgeber“ Ibn-Battuta’s, Tamaschirin, gestürzt und türkische und mongolische Provinzdiadochen stritten während der nächsten drei Jahrzehnte um das Erbe.

 

1336 wurde als Sohn des Amirs von Shahrisabz, 50 km von Samarkand, Timur geboren, in Europa besser bekannt als Tamerlan, aus dem Persischen Timur lenk, Timur der Lahme. Im Zeichen der Rückbesinnung auf eigene nationale Werte gilt der „sahib ul-Qiran“, der Herr der (astrologischen) Glückskonjunktion, heute als erster usbekischer Herrscher. Unter seiner Herrschaft und seinen Kriegszügen (1372 - 1402) wurde Transoxanien das Zentrum eines Reiches, das im Westen bis Ankara reichte, im Nordwesten bis Rußland und im Südosten bis Delhi. Im Westen verschaffte er damit zwar Europa eine Atempause vor den osmanischen Expansionen, doch die Europäer waren alarmiert. Zum dritten Mal nach Attilla, dem Hunnenkönig und Dschingis Chan wurde in Europa die Apokalypse aus den Steppen Innerasiens erwartet, und diese Furcht hielt sich bis iweit ins 20. Jahrhundert.

 

In den Zwanziger Jahren war das noch harmlos. In einem Gassenhauer heißt es: „Mir ist heut’ so nach Tamerlan...“, womit lediglich ausgedrückt werden soll, daß die Dame sich einen richtigen Kerl wünscht, der nicht lange fackelt, doch In den Propagandafilmen Nazideutschlands wurden sowjetische Kriegsgefangene gezeigt, um den Deutschen die Angst vor den „bolschewistischen Untermenschen“ einzujagen: verdreckte, verängstigte, ausgehungerte und erschöpfte Gefangene wurden, angestrahlt von grellen Scheinwerfern abfotografiert, um den Deutschen zu zeigen, von welchen „Bestien in Menschengestalt“ sie bedroht würden.

Als ich mit meinen Eltern darüber sprach, meinte mein Vater, in diesen Filmen seien sogar überwiegend asiatische Soldaten gezeigt worden... Und wenn in Wehrmachtsberichten über Kannibalismus unter den unglücklichen kriegsgefangenen Sowjetsoldaten berichtet wurde, wurde es immer breit ausgewalzt, wenn Angehörige „asiatischer Stämme“ beteiligt waren, ganz so, als wäre „hinter dem Ural“ die Menschenfresserei gang und gäbe. Nach dem Krieg spuken dann – z.B. bei Konsalik - tückische „Mongolen“ durch die Literatur, und auch heute erscheint er mir wieder aufgelebt zu sein, wo ein Gegensatz konstruiert wird zwischen den "europäischen" Ukrainern und den Russen als Nachfahren der Fußkranken der "Goldenen Horde".

 

König Heinrich III. schickte seinen Gesandten, Ruy Gozalez de Clavijo 1403 nach Samarkand, um ein Abkommen auszuhandeln, und von ihm stammt ein Reisebericht, der noch heute zum Träumen anregt:

 

Die Stadt selbst ist größer als Sevilla und liegt außerhalb einer großen Anzahl von Häusern, die ausgedehnte Vororte bilden. Die gesamte Stadt ist von Gärten und Weinbergen umgeben, zwischen denen Straßen mit offenen Plätzen verlaufen. Alles ist dicht bevölkert und man kann alles kaufen. In den Gärten außerhalb Samarkands findet man herrliche Häuser und hier hat Timur selbst Paläste und Vergnügungsplätze.“

 

Der Herrscher zog es allerdings vor, seine Feste in riesigen, reichgeschmückten Seidenzelten abzuhalten, inmitten seiner Frauen und seines Hofstaats. bei einem dieser Feste sah Clavijo „einen flachen Smaragd auf einem Tisch aus reinem Gold. Vor diesem Tisch stand die massiv goldene Nachbildung einer Eiche mit einem Stamm,

 

"dick wie ein Männerbein. Ihre Früchte wurden gebildet aus Rubinen, Smaragden, Türkisen, Saphiren und Perlen...“

 

 Timur war ein frommer Muslim, der seinen spirituellen Lehrer, Mirza Said Berke (baraka), neben sich begraben ließ und der sich auch mit anderen Derwischen beriet[xi], die in seinem Palast ein und ausgingen. Als es ihm allerdings einfiel, binnen zwanzig Tagen in Samarkand einen Basar erbauen zu lassen und er dafür binnen einem Tag die Häuser vieler Anwohner des Basargebietes dem Erdboden gleich machte, sollen nicht näher bezeichnete „Derwische“ bei ihm interveniert haben - was er so übelgenommen habe, daß sie froh gewesen waren, heil aus der Audienz herauszukommen.

 

Aus den eroberten Provinzen holte er sich Baumeister, Buchkünstler, Architekten und viele andere, teils durch Kontrakt, teils dadurch, daß er sie einfach verschleppte. Se sollten seine Hauptstadt bauen und verschönern. Zeitweise sollen bei dieser regen Bautätigkeit bis zu 750.000 Bauarbeiter gleichzeitig im Einsatz gewesen sein. Er griff oft persönlich in die Planung und Durchführung von Bauvorhaben ein, ein, was die Sache natürlich immens erschwerte, da er oft fertige Bauwerke sofort wieder abreißen ließ, da ihm eine größere und prunkvollere Lösung eingefallen war, ohne Rücksicht auf Baumaterialien und Konstruktionsprinzipien. Die Baumeister hatten seine Vorstellungen umzusetzen, egal wie. Schafften sie es nicht, kostete es oft genug das Leben.

 

Timur starb 1405. Zunächst folgte ihm sein Sohn Schachruch auf den Thron, dann sein Enkel Ulugh Beg. Nach dessen Ermordung folgte eine Zeit der Thronwirren und sein Ur-ur-ur-Enkel Babur wurde 1512 als 14-jähriger vertrieben - um in Indien zum Begründer der Moghul-Dynastie zu werden.

 

Die nächsten vierhundert Jahre verfiel der alte Glanz. Zu den alten Handelswegen gab es jetzt den Seeweg als bessere Alternative, der Rest wurde von den Osmanen durch Zölle geblockt. 1868 kam Samarkand, jetzt Bestandteil des Amirats Buchara duch den Tributvertrag zwischen Buchara und Rußland ebenfalls unter russische  Oberhoheit. Der antirussische Aufstand von 1916 gegen die Einbeziehung der Muslime in die allgemeine Wehrpflicht nahm in Samarkand seinen Anfang.

 

1924 wurde Samarkand erste Hauptstadt der Usbekischen SSR, 1930 jedoch in dieser Funktion von Taschkent abgelöst.

wird fortgesetzt.

 

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