02. Oktober 1904: Der Vernichtungsbefehl

Bildnachweis: „Lothar von Trotha“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

 

Am 2. Oktober 1904 erlässt  General Lothar von Trotha den Befehl zur Vernichtung der Völker der Herero und Nama in der Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika, heute Namibia und leitete damit den Völkermord an den Herero und Nama ein. Diejenigen, die in die Omaheke-Wüste flüchten, werden durch Abriegelung dort festgehalten; es verdurstet nicht nur das mitgeführte Vieh, sondern auch die Menschen.



Durch diesen – von der Generalversammlung der Vereinten Nationen anerkannten – Völkermord werden über 80% der Herero und Nama getötet. Von Trotha erlässt folgenden, später als Vernichtungs- oder Genozidbefehl bekannt gewordenen Befehl, der mit einer Nachricht an die Herero beginnt:

 


„Ich der große General der Deutschen Soldaten sende diesen Brief an das Volk der Herero. Die Hereros sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet und gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten, und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: Jeder, der einen der Kapitäne an eine meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1000 Mark, wer Samuel Maharero bringt, erhält 5000 Mark. Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot Rohr (Kanone) dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück, oder lasse auf sie schießen. Das sind meine Worte an das Volk der Herero. Der große General des mächtigen Deutschen Kaisers“

 

Für die Truppe fügt er hinzu:


 „Dieser Erlass ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen mit dem Hinzufügen, dass auch der Truppe, die einen der Kapitäne fängt, die entsprechende Belohnung zuteil wird und dass Schießen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, dass über sie hinweggeschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, dass dieser Erlass dazu führen wird, keine männlichen Gefangenen zu machen, aber nicht zu Grausamkeit gegen Weiber und Kinder ausartet. Diese werden schon fortlaufen, wenn zweimal über sie hinweggeschossen wird. Die Truppe wird sich des guten Rufes des Deutschen Soldaten bewusst bleiben."

 

 

„Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung einer Partei abzuschließen.“

 

An den Vordenker des ersten Überfalls auf Belgien im Jahr 1914, Generalstabschef Baron Alfred von Schlieffen, schreibt er im Oktober 1904: „Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss.“ Schlieffen sekundiert: „Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung einer Partei abzuschließen.“ Er ist, neben Kaiser Wilhelm II, einer der entschiedensten Unterstützer Trothas, und rückt, im Gegensatz zu diesem, auch nicht von Trotha ab, als dieser zunehmend in die Kritik gerät und dem Befehl am 9. Dezember 1904 zurücknehmen musste. Das hindert ihn allerdings nicht daran, am 25. April 1905 einen ähnlichen Befehl gegen die Nama zu erlassen.

 

Auch mit den Völkern der San und Damara wird ähnlich verfahren. Die Schädel ihrer Toten werden in großer Zahl nach Deutschland geschickt und dienen ambitionierten „Rasseforschern“ als Trainingsobjekte, „Rassen“, unter anderem via Kephalometrie, (Schädelvermessung) biologistisch zu kategorisieren und hierarchisieren, eine Fähigkeit, die dann im Dritten Reich zu voller Blüte kommt.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg wird das Land der Südafrikanischen Union als Mandatsgebiet übergeben. Das Land ist nach einem langen Befreiungskampf seit 1990 unabhängig und wird von der vormaligen linken Befreiungsbewegung SWAPO regiert. Seit März 2015 ist Hage Gottfried Geingob, auch Vizevorsitzender der SWAPO, zum zweiten Mal Ministerpräsident. 

 

Obwohl die Massaker zumindest an den Herero und Nama unstreitig alle Kriterien eines Völkermordes erfüllen, hatte die Bundesregierung – zuletzt auf eine Kleine Anfrage der Partei »Die LINKE« am 24. Juli 2012 – mitgeteilt, dass sie zu Völkermorden vor dem Beitritt Deutschlands zur Völkermordkonvention der UNO im Jahr 1955 keine Stellung nehme. Mittlerweile wurde diese Position aufgegeben: seit vergangenen Sommer gilt die Sprachregelung: "Der Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 bis 1908 war ein Kriegsverbrechen und Völkermord."



Gelegentlich wurden kleinere Beträge gezahlt und kleinere Projekte finanziert, ohne jedoch die Menschen vor Ort einzubinden, von einer planmäßigen Aufarbeitung des Geschehens sowie einer echten Anerkennung und Entschädigung der Opfer kann – trotz hohem persönlichen Engagement der früheren Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek (SPD) und u.a. des Abgeordneten Niema Movassat (Die Linke) - bis heute nicht gesprochen werden.

 


Ein erneuter Schatten auf die Charité

Über den schwärzesten Schatten, nämlich den, den Chirurgie-Ikone Sauerbruch geworfen hat, werde ich noch gesondert berichten, ebenso meine Meinung zur "politischen Bandscheibe" von Julia Timoschenko sagen. Zweimal warf Namibia einen Schatten.

Zuerst, als man 3000 Herero-Schädel in die Charité schickte.

 

Die Restitution von 20 dieser Schädeln aus der Berliner Charité geriet zur auch international beachteten peinlichen Posse und diplomatischem Fiasko: Eine hochrangig besetzte Delegation aus Namibia reiste Ende September 2011 an und wurde mit der zweiten Reihe des Außenministeriums in Gestalt von Staatsministerin Cornelia Pieper (FDP) und einer Staatssekretärin abgespeist. Eine Versöhnungserklärung wurde von namibischer Seite nicht unterschrieben, da neben dem namibischen Minister Kazenambo nur ein Vertreter der Charité diese Erklärung unterschreiben wollte.

 

Getoppt wurde das Ganze, als Pieper, nach ihrer monoton vom Blatt abgelesenen Rede und vor der Rede des Ministers Kazenambo, die Veranstaltung verliess.


Die Schädel trafen am 4.10.2011 in zwei mit der namibischen Flagge geschmückten Särgen auf dem Flughafen der namibischen Hauptstadt Windhoek ein, wo sie von Ministerpräsident Angoula, mehreren Kabinettsmitgliedern und tausenden Namibiern empfangen wurden. Die namibische Seite hatte trotz allem die Größe, von einem „symbolischen Abschluss eines tragischen Kapitels" zu sprechen.

 


 

 

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