9. Oktober 1967 - Che Guevara ermordet

Dr. med. Ernesto Guevara de la Serna, „Che“ wird im Hochland von Bolivien ermordet, wie eine Trophäe präsentiert und schlußendlich – entgegen der Absicht seiner Mörder – unsterblich. Ein 1960 von dem Fotografen Alberto Korda fotografiertes Porträtbild wird zur Popikone, genauso, wie seine Losung, dass es die Pflicht des Revolutionärs sei, die Revolution zu machen, zur Handlungsmaxime vieler Linker in der Zeit von „68“ wird. Verfolgung und Mord wurden von einem deutschen "Oberstleutnant ehrenhalber" des bolivianischen Geheimdienstes mitorganisiert, der sich später damit brüstete: Klaus Barbie, dem "Schlächter von Lyon". Die Ikone sollte jedoch mittlerweile auf den Müllhaufen der Geschichte. Die Ikone...

 

Guevara wird am 14. Juni 1928 in Rosario/Argentinien in eine linke, aristokratische Familie geboren, seine Mutter war eine Urenkelin des letzten spanischen Vizekönigs von Perú. 1947 beginnt er sein Medizinstudium, eine mit einem Freund durchgeführte ausgedehnte Reise durch fast ganz Lateinamerika, die ihn mit dem Elend der Mehrzahl der Bevölkerung konfrontiert, politisiert und radikalisiert ihn. 1953 macht er sein Examen, 1954 trifft der Fidel Castro und schließt sich der kubanischen Revolution an.

 

Am 2. Januar 1959, nach dem endgültigen Sieg der Revolution zieht er mit den anderen Revolutionären in Havanna ein.

 

Er wird zunächst Industrieminister und Präsident der Nationalbank, doch er ist für die Mühen des täglichen politischen Einerlei nicht geschaffen, zumal, wegen der Blockade der USA, aber auch der praktischen Unerfahrenheit der Revolutionäre, ökonomische Erfolge nicht zu erzielen sind. Er beschließt, Kuba zu verlassen, um auch andernorts Kampffronten gegen den Imperialismus, Kolonialismus und Neokolonialismus zu eröffnen - „schafft 2, 3, 4, viele Vietnam“ ...

 

Er geht zunächst in den Kongo, schließt sich den Rebellen um Laurent Kabila an, doch das Land bleibt ihm fremd. Mit 49 Getreuen geht der nach Bolivien, wird von der CIA und der bolivianischen Armee gehetzt, verletzt gefangengenommen und ermordet. Seine Ermordung wird vom Naziverbrecher Klaus Barbie orchestriert, dem "Schlächter von Lyon", der zunächst wegen seiner antikommunistischen credentials von CIA und BND rekrutiert worden war - und sogar als BND-Agent an einem Lehrgang in Deutschland teilgenommen haben soll, später jedoch in Bolivien an der Schnittstelle von Militär, Geheimdienst, Waffenhandel und organisierter Kriminalität Karriere machte, bis er durch Beate und Serge Klarsfeld enttarnt wurde. Barbie wird sich später damit brüsten und Guevara verhöhnen:


"Hätte dieser arme Kerl im Zweiten Weltkrieg gekämpft, er würde ihn nicht überlebt haben. Er war ein erbärmlicher Abenteuer und hatte mit seinem öffentlichen Bild nichts gemein. Die Menschen haben ihn in einen Mythos verwandelt, eine große Gestalt. Doch was hat er tatsächlich erreicht? Absolut nichts."

 

Bildnachweis: alternatives Nachrichtenportal www.elministerio.org, Truppenausweis von Oberstleutnant (Teniente-coronel) ehrenhalber Klaus Altmann

Seine Leiche wird der internationalen Presse wie eine erjagte Trophäe vorgeführt. Er wird an einem zunächst unbekannten Ort begraben, 1997 wird jedoch unter dem Boden eines Flugplatzes ein Skelett gefunden, das man als seines identifiziert und auf Kuba mit militärischen Ehren bestattet.

 

Trotz seines politischen und militärischen Einsatzes, der allerdings später auch von gewaltigen Schatten, wie schweren Menschenrechtsverletzungen wie der Ermordung von Kleinbauern und Gefangenen verdunkelt wird, wird er zu einer ihrer Botschaft entkleideten Ikone der Popkultur, die T-Shirts - auch der Rechtsextremen-  und Bikinis, genauso wie attac-Transparente ziert, eine Projektionswand, in die jeder alles hineinprojizieren kann, zum Beispiel den russisch-orthodoxen Terroristenkommandeur Alexej Mosgowoi, der im Mai diesen Jahres aller Wahrscheinlichkeit einem infight zum Opfer fiel, oder dem explizit "Che des Donbas" genannten Terroristen Michail Tolstych, genannt Givi, der Berühmtheit unter Anderem durch das Mißhandeln von ukrainischen militärischen Geiseln erlangte.

 

Die Ikone Che sollte ausgedient haben. Wohlgemerkt: die Ikone.

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