Was wäre wenn ... Die Stalin-Noten, Breitbart  und Trump

Ein beliebtes Spiel ist, auch in der Geschichtswissenschaft die "Was wäre, wenn" Spekulation. Auf youtube finden sich eine Reihe zwar werbebasierter, aber trotzden ganz interessanter Filmchen dazu. Passenderweise binde ich hier erstmal den Film ein, der sich fragt, was wäre, wenn die USA nicht existierten.

Ich empfinde die Situation zwischen den USA und der EU als reichlich angespannt und eskalierend, und das führt mich zu der Frage, was wäre, wenn die Bundesrepublik 1952 positiv auf die Stalin-Noten reagiert, auf die Westbindung verzichtet und einen ähnlichen Status wie Österreich erreicht hätte. Und was das für unsere heutige Situation heisst.

Am 10. März 1952 wird die erste von vier Stalin-Noten über die Zukunft Deutschlands, allgemein bekannt als „die“ Stalin-Note veröffentlicht. Darin bietet Stalin an über den sofortigen Abschluss eines Friedensvertrages zu verhandeln und macht folgende Angebote:

 

1. Deutschland wird als einheitlicher Staat wiederhergestellt. Damit wird der Spaltung Deutschlands ein Ende gemacht, und das geeinte Deutschland gewinnt die Möglichkeit, sich als unabhängiger, demokratischer, friedliebender Staat zu entwickeln.

2. Sämtliche Streitkräfte der Besatzungsmächte müssen spätestens ein Jahr nach Inkrafttreten des Friedensvertrages aus Deutschland abgezogen werden. Gleichzeitig werden sämtliche ausländischen Militärstützpunkte auf dem Territorium Deutschlands liquidiert.

3. Dem deutschen Volke müssen die demokratischen Rechte gewährleistet sein, damit alle unter deutscher Rechtsprechung stehenden Personen, ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder Religion, die Menschenrechte und die Grundfreiheiten genießen, einschließlich der Redefreiheit, der Pressefreiheit, des Rechts der freien Religionsausübung, der Freiheit der politischen Überzeugung und der Versammlungsfreiheit.

 

4. In Deutschland muß den demokratischen Parteien und Organisationen freie Betätigung gewährleistet sein; sie müssen das Recht haben, über ihre inneren Angelegenheiten frei zu entscheiden, Tagungen und Versammlungen abzuhalten, Presse- und Publikationsfreiheit zu genießen.

 

5. Auf dem Territorium Deutschlands dürfen Organisationen, die der Demokratie und der Sache der Erhaltung des Friedens feindlich sind, nicht bestehen.6. Allen ehemaligen Angehörigen der deutschen Armee, einschließlich der Offiziere und Generäle, allen ehemaligen Nazis, mit Ausnahme derer, die nach Gerichtsurteil eine Strafe für von ihnen begangene Verbrechen verbüßen, müssen die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte wie allen anderen deutschen Bürgern gewährt werden zur Teilnahme am Aufbau eines friedliebenden, demokratischen Deutschland.

 

7. Deutschland verpflichtet sich, keinerlei Koalitionen oder Militärbündnisse einzugehen, die sich gegen irgendeinen Staat richten, der mit seinen Streitkräften am Kriege gegen Deutschland teilgenommen hat.
Das Territorium Deutschlands ist durch die Grenzen bestimmt, die durch die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz der Großmächte festgelegt wurden.

 

Wirtschaftliche Leitsätze
Deutschland werden für die Entwicklung seiner Friedenswirtschaft, die der Hebung des Wohlstandes des deutschen Volkes dienen soll, keinerlei Beschränkungen in bezug auf den Handel mit anderen Ländern, die Seeschifffahrt und den Zutritt zu den Weltmärkten auferlegt... Die Staaten, die den Friedensvertrag mit Deutschland abgeschlossen haben, werden das Ersuchen Deutschlands um Aufnahme in die Organisation der Vereinten Nationen unterstützen
.

 

© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

 

Bis heute sind die Historiker zu keiner einheitlichen Bewertung gelangt, wie ernst es Stalin mit seinem Angebot war, und ich werde das hier und heute auch nicht entscheiden können. Aber es darf spekuliert werden. Was wäre wenn ...

 

Was wäre wenn...

Reparationen an die Sowjetunion aus Ost und West hätten, zusammen mit einem Marshallplan für Gesamtdeutschland vielleicht für eine schnelle Modernisierung und ökonomische Entwicklung auch in Ostdeutschland gesorgt. Deutschland - und mit ihm weitere europäische Staaten - wäre vielleicht für die Staaten des Ostblocks zu einem noch überzeugenderen Modell für Freiheit und Demokratie geworden und der Ostblock noch schneller implodiert. Keine Mauer, kein Todesstreifen, keine Toten. Kein mentalitätsmäßiges Ausenanderdriften. Und wir müssten heute nicht auf Donald Trump starren, wie das Kaninchen auf die Schlange. Kein realsozialistisch-nationalistischer Müll,wie er - siehe das folgende Video (bitte nicht auf den Monitor kotzen!) - in Ansätzen schon Anfang der 50er Jahre vorhanden war...

Die ostdeutschen Kommunisten trommelten einseitig für "Ami go home" - genau wie heute unsere Friedensengel - doch in derStalin-Note liest man:

 

2. Sämtliche Streitkräfte der Besatzungsmächte müssen spätestens ein Jahr nach Inkrafttreten des Friedensvertrages aus Deutschland abgezogen werden. Gleichzeitig werden sämtliche ausländischen Militärstützpunkte auf dem Territorium Deutschlands liquidiert.

Kein KGB in Dresden, kein Putin...

 

Man könnte das endlos weiterspinnen. Ich bezeichne die transatlantische Bindung nicht als Teufelswerk, aber auch nicht als alternativlos - und eine Bindung an Russland, wie von Frau Wagenknecht vorgeschlagen, ist wahrlich nicht die Alternative. Breitbart, das Portal, dem der jetzige Sicherheitsberater von Präsident Trump, der Neonazi Steve Bannon, seinen Stempel aufgedrückt hat, veröffentlichte heute eine Kolumne des britschen Journalisten James Dellingpole - der im Übrigen auch für britische Leitmedien schreibt! - die auch Sätze eines Fernsehinterviews mit dem neuen US-Botschafter für die EU, Ted Malloch enthält und mit dem Satz endet:

"The EU is finished and the new President of the USA is actively speeding its end."

Malloch wird ganz klar als Trumps Tool zur Zerstörung der EU vorgestellt und mit dem Satz zitiert:

Well, I had in a previous year a diplomatic post where I helped to bring down the Soviet Union, so maybe there’s another union that needs a little taming.

Somit sollten wir uns keine Illusionen über Westbindung und transatlantische Beziehungen mehr machen, auch nicht reaktiv drauf warten, was Trump als Nächstes tut. Die Aussage ist eindeutig:

 

"The EU is finished and the new President of the USA is actively speeding its end."

Dem sollten wir schnellstens einen Riegel vorschieben. Alle Europäer sollten endlich ihre nationalen Egoismen beiseiteschieben und zu einer gemeinsamen Gefahrenabwehr zusammenfinden. Und Malloch auf die Rolle eines Grüßgott-August herunterbremsen. Und seinen russischen Amtskollegen gleich mit.

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