Trump - ohne Sinn und Verstand

The Donald, nach eigenen Angaben durch die infolge des syrischen Giftgasangriffs entstandenen Bilder sterbender Babies und Kleinkinder erschüttert, hat, nachdem er zuvor etwas gedroht hat, etwas gefeuert: 59 Tomahawk-Raketen auf einen syrischen Militärflughafen, der danach nicht wirklich ausser Betrieb war. Das könnte sein Tonking-Moment sein, der Moment, in dem die USA schleichend in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang gezogen werden. Was Trump zu seiner 180-Grad-Wendung veranlasst hatte, und ob überhaupt eine durchdachte Strategie dahintersteckt, ist bis heute noch nicht raus. Und mittlerweile hat er weitere Fässer aufgemacht.

Bildnachweis: geschichtedergegenwart.com

Der Tonkin-Zwischenfall: Sog der USA in den Vietnam-Krieg

Am 4. August 1964 fuhr der US-Zerstörer Maddox in den - nordvietnamesischen - Golf von Tonkin ein und wurde dort angeblich von nordvietnamesischen Schnellbooten beschossen. Der US-Geheimdienst NSA hatte schon vorher die passenden "Informationen" gestrickt um die Lüge - der Beschuss hatte so nie stattgefunden - zu untermauern und den US-Militärs den Vorwand zur Ausweitung des Vietnam-Krieges zu liefern.

Wie das endete, weiß man: 1975 habe ich mit Londoner Freunden die Direktübertragung der Evakuierung des letzten US-Botschaftspersonals nebst (süd-)vietnamesischer Kollaborateure mittels Hubschrauber vom Dach der US-Botschaft verfolgt. Anschließend haben wir eine Flasche Schampus auf das Ereignis geleert.

Die USA hatten einen in unseren Augen imperialistischen, verbrecherischen Krieg verloren, und durch Manöver wie die Lüge vom Tonkin-Zwischenfall ihre Glaubwürdigkeit zumindest beschädigt, auch wenn Einige das Ereignis bis heute nicht als Lüge, sondern als US-amerikanische Provokation werten, deren mutwillige Falschbewertung die USA in den Vietnamkrieg mit Eskalation und letzendlicher Niederlage führte. 

Vollends ruiniert war die US-Amerikanische Glaubwürdigkeit dann mit dem unsäglichen Auftritt von Colin Powell vor der UNO 2003, mit dem das UN-Mandat für den Einsatz der USA-geführten "Koalition der Willigen" im Irak erreicht wurde. Powell hat später zu Protokoll gegeben, diese Lüge zu bedauern.

 

Ein paar Fakten zu Sarin

Sarin ist ein sog. Nervenkampfstoff, der von einem Chemiker der Bayer-Werke 1938 entdeckt wurde, als dort im Rahmen der Vorbereitung und Umstellung auf Kriegswirtschaft zu Pflanzenschutz- und Insektenvernichtungsmitteln geforscht wurde.

Nervenkampfstoffe benötigen immer ein Einsatzmittel, mit dem sie ausgebracht werden, im Fall der Nervenkampfstoffe reicht z.B. ein Abblasen (wie 1915 vor Ypern) nicht aus.

Die "fertigen" Kampfstoffe sind nicht lange haltbar. Deswegen und aus Sicherheitsgründen  werden ihre Komponenten getrennt.aufbewahrt und in eine als Zweikammersystem konzipierte Granate - ebenfalls getrennt - abgefüllt. Erst der Aufschlag nach dem Abschuss, eine dadurch ausgelöste magnetische Induktion  oder ein eingebauter Timer bringt den ebenfalls mit eingebauten Sprengstoff zur Detonation, was die Trennwand zwischen beiden Kammern zerstört und einen Reaktionsbeschleuniger freisetzt. Die dabei entstehende kinetische Energie wirkt wie ein Rührwerk, das die beiden Komponenten mischt. So erreicht man eine Ausbeute von maximal 70% wirksamen Kampfstoffs.

Ich denke, daß diese Überlegungen zeigen, daß die Version, ein Chemiewaffendepot der Rebellen angegriffen zu haben, nicht stimmen kann.Das Rechercheportal Bellingcat fasst den Sachstand zusammen wie folgt:

 

Die Shayraat-Airbase

Die internationale Recherchegruppe Informnapalm ist auf ein Foto aus der angegriffenen Airbase gestoßen, das - unter Anderen - ein Fotograf von RIA-Novosti unmittelbar nach dem Angriff zu Anklagezwecken gemacht hat. Diese Fotoserie wurde auch von Sputnik verbreitet.

Infomnapalm ist, durch die Mitarbeit vieler russischsprachiger Freiwilliger in der Lage, auch genuin russische Quellen auszuwerten und hat das auch in diesem Fall getan.

Informnapalm hat diese und andere Informationen miteinander abgeglichen und dazu einen höchst lesenswerten Artikel veröffentlicht, von dem auch die nebenstehende Collage stammt. Informnapalm hat die Container mit den Soman-Containern verglichen, die man in einem russischen (!) Fernsehbeitrag über die Vernichtung chemischer Waffen sehen konnte und schreibt über diesen Fund:

"Dem russischen Propagandisten der RIA Novosti-Agentur, Michail Woskresensky, sind Einheitsbehälter für Kleinmunition (KMGU) ins Bild geraten, die sowohl Splittersprenggeschosse als auch Streumunition in BKF-Kassetten enthalten können. In jeder Bombe BKF-P sind 12 Kassetten mit dem chemischen Kampfstoff Soman (R-55) enthalten."

Und weiter:

Das Team von InformNapalm kann nicht behaupten, dass in diesen Behältern tatsächlich chemische Kampfstoffe sind oder waren – Russlands Blockierung einer UN-Resolution, die eine Ermittlung auf der Basis Schairat vorsah, erscheint uns jedoch äußerst verdächtig.

Genau. Es sieht aus, wie eine Ente, watschelt wie eine Ente, quakt wie eine Ente...

 

Und Tonkin?

Es gibt eine Menge Zitate und Artikel, sei es von Befürwortern oder Gegnern, die Obamas Zögern bei Auslandseinsätzen, die dieses Tonkin-Beispiel anführen, um seine Zurückhaltung bei neuerlichen Auslandsaktionen zu erklären, auch in Bezug auf die von Assad übertretene "Rote Linie" betreffs Einsatz von Chemiewaffen.

Trumps Gegnerschaft zum Einsatz in Syrien wurde bislang nur durch unterbrochen durch   eventuelle Gelegenheiten, Obama, wie er meinte, vorzuführen - so, zum Beispiel, als Obama seine Ankündigung nicht wahr machte, im Falle des Einsatzes von Giftgas zu reagieren. (Mittlerweile wurde in zwei Fällen von Giftgaseinsätzen die Urheberschaft Assads nachgewiesen, in einem Fall die Urheberschaft des IS).

Syrer hatten ihn bislang nicht interessiert, und das Leiden syrischer Babies und Kleinkinder hat ihn auch nicht dazu gebracht, die Grenzen für syrische Flüchtlinge zu öffnen, im Gegenteil: Syrien ist eines der Länder, die auf seiner Einreise-Verbotsliste stehen. Seine mäandernde Auffassung zum US-Engagement hat die New York Times dokumentiert.

 

Mal eben einen Flugplatz zu zerballern, ist militärisch sinnlos. Zwar wurden dort unter tätiger Mithilfe eines Fotografen von RIA - Novosti Giftgasfässer entdeckt und fotografisch dokumentiert und der Knallfrösche-Versand unter Evakuierung des russischen und syrischen Personals anscheinend mit den Russen abgesprochen, aber welchem Zweck hat die Aktion gedient? Ein militärischer und/oder politischer Benefit ist bis heute nicht erkennbar. Der Kolumnist des New Yorker setzt sich mit Trumps fragwürdiger Motivation ebenfalls auseinander und schließt seinen Artikel mit den Worten:

 

Betrachtet man seine Schaumschlägerei, seine Inkonsequenz und seine Bevorzugung von Bauchgefühl anstatt politischer Erfahrung, war es immer wahrscheinlich, daß er ein gefährlicher Kriegspräsident wird. Was einem Angst macht, ist, daß er als Kriegspräsident jetzt Ehrgeiz entwickelt.

 

Wenn man sich ansieht, welche Fässer er seit letzter Woche sonst noch aufgemacht hat, kann einem Angst und bange werden: ob das ebenso durchgeknallte Riesenbaby in Nordkorea mit seinen Atomtests noch etwas anderes veranstaltet hätte? Ich glaube nicht. Und nach dem Abwurf der MOAB-Riesenbombe über Afghanistan wird mir auch ganz mulmig. ich werde mich damit noch beschäftigen...

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