Fordert, dass der inhaftierte Krimtataren-Anführer Tschigyoz seine todkranke Mutter sehen darf

Quelle: khpg.org, 15.06.2017, Halya Coynash

Es hätte viele Fragen über ukrainische politische Gefangene gegeben, die man dem russischen Präsidenten Putin heute, am 15. Juni in seiner "Bürgersprechstunde Direkter Draht" hätte stellen können. Doch eine wäre von bitterer Dringlichkeit gewesen:Russland hat den Führer des Medschlis der Krimtataren, Artjom Tschigyoz unter juristisch unsinnigen Anklagen inhaftiert und weigert sich nun, ihm zu erlauben, seine sterbende Mutter ein letztes Mal zu sehen. Aliye Abdurahimowna hat Krebs und die Ärzte glauben, ihr Tod ist nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen, nicht länger.

Welche Gründe Russland für die politisch motivierte Inhaftierung von Tschigyoz auch gehabt haben mag - seine alte Mutter hat ihren Sohn jetzt zwei Jahre nicht gesehen.

 

Es ist ein Akt barbarischer Grausamkeit, die Sterbende daran zu hindern, ihn ein letztes Mal zu sehen!

 

Heutem am 15. Juni hat das unter russischer Kontrolle stehende oberste Gericht der Krim den letzten Antrag von Tschigyoz' Anwälten abgelehnt, Tschigyoz - unter Bewachung! - die Gelegenheit zu geben, seine Mutter ein letztes Mal zu sehen.

Bitte nehmt in Euren Ländern mit Politikern und Medien Verbindung auf! Teilt diese Information auf den Sozialen Netzwerken und auf twitter! Bittet Andere zu helfen, damit Druck auf Moskau ausgeübt wird, einer Sterbenden zu erlauben, ihren Sohn, den sie zwei Jahre nicht gesehen hat, ein letztes Mal zu umarmen!

Artjom Tschigyoz war am 29. Januar unter Anklagen verhaftet worden, die mit einer Demonstration auf ukrainischem Staatsgebiet im Geltungsbereich ukrainischer Gesetze in Verbindung standen. Es gibt starke Gründe, zu glauben, daß die riesige Demonstration vor dem Krimer Parlamentsgebäude Russlands Versuch vereitelt hat, einen effektiven Coup ohne den offensichtlichen Einsatz russischer Soldaten zu bewerkstelligen.

Das wird den Kreml sicherlich ärgern, doch kann an der Tatsache nichts ändern, daß Russland nicht das Recht hat, jemanden wegen einer Demonstration auf dem Staatsgebiet eines anderen Landes zu verfolgen.

Die aktuelle Anklage ist genauso absurd, denn an diesem Tag hat es schlicht keinerlei Ausschreitungen gegeben - im Gegenteil: es gibt eine riesige Menge Videomaterial, auf dem zu sehen ist, daß Tschigyoz lediglich versucht, Hitzköpfe zur beruhigen und Konfrontationen zwischen gegnerischen Seiten zu vermeiden.

Der "Fall" zielt auch ganz offen allein auf Krimtataren, obwohl die Videos sehr oft zeigen, daß es pro-Russische Aktivisten waren, die mit Absicht Schwierigkeiten provoziert haben.

 

Der 52-jährige Tschigyoz wird nun sogar daran gehindert, seinem eigenen "Prozess" zu folgen! 

Er und zwei weitere Krimtataren - Ali Asanow und Mustafa Degermendschi - wurden vom Menschenrechtszentrum Memorial als politische Gefangene anerkannt. Ihre Freilassung wurde wiederholt von Institutionen der EU gefordert, z.B. der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, der OSZE und von einzelnen Ländern.

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