Den muslimischen Frauen gehört die Zukunft - Teil 1

The Muslim 500/2018, von Rajae el-Mohandiz

Jedes Jahr ermittelt der jordanische Prince-Ghazi-Trust via Internet-Abstimmung die 500 in unterschiedlichen Feldern tätigen, einflussreichsten Muslim*innen. Die niederländisch-marokkanisch-algerische Musikerin Rajae El-Mouhandiz wurde 2009 zum ersten Mal und seitdem jedes Jahr wieder in die Liste aufgenommen und hat den folgenden Aufsatz über den Einfluss muslimischer Frauen geschrieben. Rajae El-Mouhandiz ist Dichterin, Sängerin, Komponistin, Produzentin und Gründerin des Plattenlabels Truthseeker Records. Zunächst war sie die erste Marokkanerin, die an einem niederländischen Konservatorium studierte, das sie dann jedoch verließ, um ihren eigenen künstlerischen Weg zu gehen, der ihre kulturellen Wurzeln einschließen sollte. Sie ist auch eine der 60 Kuratorinnen der internationalen Ausstellung MUSLIMA und hat die niederländische Ausgabe der "Hijabi Monologues" produziert. Eines ihrer schönsten Musikstücke habe ich weiter unten eingebunden.

Die jährliche Abstimmung über die 500 - im Guten wie im Schlechten - einflussreichsten Muslim*innen wird jährlich vom Königlichen Ahl-al-bayt-Institut für islamisches Denken durchgeführt.

Das Institut engagiert sich im interreligiösen Dialog, z.B. durch den "Brief der 138", der an die wichtigsten christlichen Würdenträger adressiert ist und zu Dialog und gemeinsamer Arbeit aufruft.

Vorsitzender des Kuratoriums ist Prinz Ghazi bin Muhammad, ein Cousin und enger Vertrauter und Sonderberater von König Abdullah II. Er wird wegen seiner interreligiösen und Friedensaktivitäten seit einigen Jahren als Kandidat für den Friedensnobelpreis gehandelt.

Download der Ausgabe 2018 und älterer Ausgaben.

Rajae hält 2013 auf der lokalen TEDx-Konferenz in Breda einen bewegenden Vortrag. Die TEDx-Formate sind die lokalen Ableger der alljährlichen in Monterrey/Kalifornien stattfindendenTED(Technologie, Entertainment-Design)-Innovationskonferenz, derern Vorträge zur weiteren Verbreitung als "TED-Talks" ins Netz gestellt werden.

 

 

Den muslimischen Frauen gehört die Zukunft

Muslimische Frauen sind die neuen globalen kulturellen Führer, via soft power, Mode, Pop-Kultur und Kunst. Noch leidet die muslimische Welt an bedeutenden Mängeln, wie der ineffektiven Kommunikation zwischen Bürgern und politischer Führung oder der Stagnation der Entwicklung in vielen Ländern mit muslimischer Mehrheit. Begrenzte Meinungsfreiheit und ein regressiver Ansatz bei der Bekämpfung von Extremismus und Gender-Ungleichheit sind zu weit verbreitet. Diese Haltung muß sich ändern. Leadership muss sich entwickeln, um Vertrauen aufzubauen und muß selbstkritisch sein, um Menschenrechte nach vorne zu bringen

und Verantwortlichkeit, um der Welt zu zeigen, daß der Islam für Frieden und spirituelles Wachstum eher als für Tyrannei und stagnation steht. Aber warum sollten sie, wenn das bedeutet, Macht abzugeben...

Das Ego wird oft nicht hinterfragt, wenn wir über den Weltfrieden sprechen, doch viele unserer Probleme haben ihre Wurzeln in Egoismus und der Unfähigkeit, gegenüber anderen Empathie zu empfinden. Deswegen verlassen einige muslimische Jugendliche ihre Familien und ihr Land. Sie scheinen keinen Sinn für Identität zu haben und keinen Boden unter den Füßen, der ihnen eine spirituelle Basis böte und sie damit abhalten würde, sich einem Todeskult anzuschließen. Sie kapern den Islam, weil ihre Identität in der Schwebe ist.

Die, die ihre Autorität mißbrauchen, tun das zweifellos, um die Jugendlichen, mit smartem Marketing, angefüllt mit Propaganda und blutrünstigen Phantasien wegzulocken; zu Orten fern der Heimat, weg von ihrer Identität und dem Kern ihrer Glaubenslehren.

In einer  globalisierten Welt, in der Identitätsprobleme komplet sind, sollten die muslimischen Führer ihre kollektive Macht nutzen, um die Themen, die die Jugend bewegen, effektiver in Angriff zu nehmen und sich mit ihnen zu verbinden.

Als Folge der ineffektiven Kommunikation der muslimischen politschen Führer wurde die Verantwortung, sich mit diese Phänomenen auseinanderzusetzen, in Gesellschaften exportiert, in denen die modernen Probleme mit Identität, religiöser Interpretation und exteremismus mehr Raum haben, um zu gären und sich zu vergrößern.

 

Unter dem Aufstieg einer neuen Welle von Nationalismus, Extremismus und Terrorismus leiden die Minderheiten und die Frauen am Meisten. In Amerika existiert die "Black Lives Matter"-Bewegung, weil junge schwarze Leben immer noch gefährdet sind. Meinungsfreiheit, Umwelt und Frauenrechte werden bedroht durch den militärisch-industriellen Komplex, der davon profitiert, daß er junge Männer und Frauen in den Krieg drängt.

 

Abgelenkt von ihrer politischen Taktiererei haben die globalen Führer diese Realität vergessen.

 

 

Die Post-11.September-Generation

16 Jahre nach dem 11. September wurde die muslimische Jugend durch die Bedingungen geformt, die sie ernährt haben, sei es in den Ländern mit muslimischer Mehrheit, sei es als Kinder von Einwanderern oder Flüchtlingen in der übrigen Welt. Diese Generation, die die Journalistin Rachel Aspen die "Generation Revolution" nennt, tanzt zwischen Tradition, Spiritualität und globaler Veränderung.

Die muslimische Jugend sucht einen moralischen Kompass und intellektuelle/spirituelle Führung. Sie sind eine Generation, die von Hollywood, Netflix und Youtube aufgezogen wurde und die in ständigem Dialog mit ihren j Online-Stämmen in den sozialen Medien sind. Es ist eine junge, muslimische Generation, die ihre Identität auf Mode, Make-up und den Markennamen von Smartphones gründet ... und auf die Religion.

Die muslimische Jugend braucht Richtung, sie braucht Resonanzböden. Sie braucht Geschichten, auf die sie sich beziehen kann, Plattformen, offene Räume und Kunst um zu reflektieren, zu kritisieren und intellektuell, emotional und künstlerisch zu wachsen.

Die Popkultur arbeitet seit langem für die junge Generation, die sich ausprobiert und vorwärts drängt, um zu wachsen, zu hinterfragen und traditionelle Autorität herauszufordern. Die ersten Sieger des Post-11.Septemver sind die muslimischen Frauen. Wir waren Zeug*innen von Sprüngen und Grenzen in der Repräsentation durch die Massenmedien und dieser positive Aspekt muss herausgehoben werden,

 

wird fortgesetzt.

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