Neues von der Kopftuchfront - Teil 5: Zählkandidatin mit Kopftuch tritt gegen Putin an

Quellen: 

Saphirnews, 2. Januar 2018, Hanan Ben Rhouma,

Deutschlandfunk Kultur vom 18.8.2016,

tesheshi.com (albanisch),

weitere Internet-Quellen, die sie zum Teil abfeieren, während andere doch kritisch sind.

Gamzatowa, Ehefrau des obersten Mufti von Dagestan, Hadschi Ahmad Magomedowitsch Abdulajew scheint genauso eine Kandidaten-Kunstfigur zu sein wie Xenia Sobtschak, Millionärin, It-Girl und Putins Patenkind und alle anderen, Kreml-genehmen Kandidaten-Dummies. Sie ist Multifunktionärin und scheint fest in das System Putin eingebunden. Wer ist sie?

Bildnachweis: Aina Patimat Gamzatowa vor einem Putin-Bild. screenshot tesheshi.com

 

Gamzatowa scheint genauso eine Kreml-genehme Kunstfigur zu sein, wie die übrigen, bereits zugelassenen Kandidat*innen: der unvermeidliche Wladimir Schirinowski, Xenia Sobtschak und noch ein paar Kandidaten - für jeden Geschmack etwas dabei. Falls man Putin nicht wählen möchte, hat man Alternativen - so viele, daß keinerR von ihnen nennenswerte Stimmen auf sich vereinigen dürfte. Auch nicht Gamzatowa - aber bitte: es wurde eine Kandidatin mit Kopftuch zugelassen und damit scheint fast allen europäischen Gesellschaften voraus. aber Trost für die Rechtspopulisten: viele Stimmen wurd sie nicht holen...

Im Netz und in vielen muslimischen Medien wird sie bereits abgefeiert. Hier ein Video mit Transkript:

Transscript:

Ayna Gamzatowa ist die erste muslimische Präsidentschaftskandidatin in Russland. Sehen Sie ihre Autobiograpie:
Sie ist die Ehefrau des obersten Muftis von Daghestan und berät ihn in Führungsfragen und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu managt die 46-jährige Kandidatin mehrere Wohltätigkeitsorganisationen.

 

Ihre guten Eigenschaften:

  1. sie ist eine erfolgreihe Journalistin,
  2. sie ist die Chefin der größten muslimischen Mediaholding in Russland,
  3. sie managt mehrere Wohltätigkeitsorganisationen,
  4. sie ist eine große Autorin,
  5. sie berät die Regierung von Dagestan in Führungfragen und Öffentlichkeitsarbeit.

Journalist, Autorin, politische und religiöse Figur: Aina Gamzatowa wurde am 1. Oktober 1971 in Machatschkala geboren und ist die Ehefrau des obersten Muftis von Daghestan. Sie hat eine große Mediaholding gegründet
Sie hat zwei höhere Abschlüsse: einen in Philologie, einen in Jura. Sie ist die Mitgründerin der Wohltätigkeitsorganisation "Der Weg", Chefredakteurin des Magazins "Islam" und Beraterin ihres Ehemannes bezüglich seiner Beziehung zur Behörden, Öffentlichkeit und Medien."  

Darüberhinaus ist Gamzatowa noch Stellvertretende Direktorin für administrative Strukturierung und Öffentlichkeitsarbeit der Nordkaukasischen Universität der Justiz , eine Abteilung der RPA des Justizministeriums Russlands,. Weiter weist sie eine beeindruckende Liste publizistischer und Funtionärsaktivitäten auf, mit denen sie sich sicherlich für diese höhere Aufgabe empfohlen hat. Sie war auch schon Beraterin des Vorgängers von Mufti Abdulajew in Ehe und Amt. Saidmuhammad Hadschi Abubakarow, der 1998, auf dem Weg zum Freitagsgebet, von Attentätern mit einer ferngezündeten Bombe ermordet.

Die lebendige Volkskultur Dagestans, die sich in einem sufischen Islam der Bruderschaften der Qadiriyya und Naqshbandiyya manifestierte, war schon den Sowjets ein Dorn im Auge: nachdem die Wehrmacht bei den Muslimen des Kaukasus und auf der Krim mit der - auch in die Tat umgesetzten - Ankündigung punkten konnte, "die Moscheen wieder zu eröffnen", und deutsche Orientalisten das bereits verschüttete muslimische Erbe wiederbelebten, sah Stalin sich genötigt, Religion(en) wieder zuzulassen, aber einzuhegen. Besonders der Sufismus war ihm ein Dorn im Auge.

Er verdächtigte die Sufis nicht zu unrecht, während der Besuche an den Gräbern der von ihnen verehrten Heiligen auch regimekritisches Gedankengut zu pflegen. Die Salafisten und Wahhabiten lehnen Besuche an Gräbern strikt ab und so wundert es nicht, daß seinerzeit ein Sekretär der KPdSU im Benehmen mit saudischen Gesprächpartnern festlegte, was in der Sowjetunion als "richtiger" Islam zu gelten habe. Nachzulesen im Standardwerk von Alexandre Bennigsen, 

 

Mystics and Commissars: Sufism in the Soviet Union.

Wie ihre orthodoxen und jüdischen Pendants waren alle muslimischen Führer durch die Kontrolle des NKWD/KGB 

 

gegangen, und das ist bis heute so. So soll der derzeitige Moskauer Patriarch Kyrill I, Bürgerlicher Name Wladimir Michailowitsch Gundjajew, wie Putin bis 1990 aktiver Offizier des KGB gewesen sein und es bis zum General gebracht haben. Gemeinsame Zeit mit Putin in Leningrad seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist belegt. Man kennt und man schätzt sich.

 

Geheimdienstkontakte geistlicher Würdenträger waren allerdings auch unter den Zaren nicht ungewöhnlich. "Unabhängige" religiöse Geister wie die Familie des späteren Großscheichs der Naqshbandiyya, Abdullah Faiz ad-Daghestani,oben im Bild zogen es schon in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts vor, das Russische Reich Richtung Osmanisches Reich zu verlassen.

 

Ich habe den Eindruck, daß auch in Daghestan, wie in Tschetschenien, ein ganz anderer "Islam" durchgesetzt werden soll: in Tschetschenien macht das Kadyrow - wer macht das in Dagestan? Im Gegensatz zum obigen Bild haben die Hijabs im folgenden Video nichts mehr mit der Kleidung dagestanischer Frauen zu tun und die Muslikunterlegung erinnert mich musikalisch doch sehr an die Gesänge von Deso Dogg und anderen Medienschaffenden des IS. 

Somit denke ich, daß die Kandidatin Gamzatowa möglicherweise nicht Erfreuliches für die Musliminnen Dagestans bedeutet. Einer ihrer Programmpunkte ist der "Kampf gegen den Extremismus". Nein, das bedeutet nichts Gutes...

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