Mein Weg nach Mekka - Teil 2

1964 kam ich aufs Gymnasium, und zu dieser Zeit hatte ich mit Religion so garnichts am Hut. Nach 1964 kam 1968 und da trat ich erstmal aus dem Religionsunterricht aus - sehr zum Entsetzen meiner Eltern. Auch unsere Lehrer waren nicht erfreut. Meine Klassenlehrerin vermutete, daß wir - damals war unsere Schule ein reines Mädchengymnasium - die frei gewordene Stunde nutzen würden, um entweder zigaretterauchend im Eiscafé abzuhängen oder uns mit den Schülern des Jungengymnasiums zu treffen. Ja genau. Doch dann beschäftigen wir uns mit dem 30-jährigen Krieg.

Bildnachweis: Galgenbaum von Jacques Callot, 1592-1635)

Wir nahmen den Krieg - in der Rückschau will mir scheinen, recht lückenhaft - nicht nur in Geschichte durch, sondern beschäftigten uns auch im Deutschunterricht mit dem Simplicius Simplicissimus und mit der Barocklyrik von Gryphius und Anderen. In unserer Klasse waren ein paar sehr engagierte evangelische - heute würde ich sagen: evangelikale - Christinnen. Der evangelische Religionsunterricht wurde von einer Pfarrersfrau gehalten, die allgemein etwas belächelt wurde. Ich fand auf einmal das evangelische Christentum spannend. Nicht, daß ich vorgehabt hätte, zum evangelischen Glauben zu konvertieren, aber ich fand es spannend. Eine ganz schnöde Überlegung kam noch hinzu: ich dachte darüber nach, Medizin oder Psychologie zu studieren, und fand heraus, daß die Religionsnote bei der Ermittlung des Durchschnitts hereingerechnet wurde (soviel zu religionsneutraler Schule). Letztendlich wurde es für die Pfarrfrau und für mich eine win-win-Situation: ich bekam eine Eins, und das Image ihres Unterrichts nahm Aufschwung: wenn Dagmar Schatz da mitarbeitet, ohne den Unterricht zu stören...  Mit "Störungen des Unterrichts" war zu jener Zeit bei mir nämlich immer zu rechnen, ich gerierte mich nämlich als linker Volkstribun und gehörte zur Redaktion unserer Schülerzeitung, die immer für Ärger mit den konservativen Lehrern gut war. Ein Redaktionsmitglied landete übrigens später bei der RAF - aber das ist eine andere Geschichte...

Ich ging auch brav mit ins Pfarrheim, zur regelmäßigen Erbauungsstunde, wo ich einmal von der Gemeindesschwester gerüffelt wurde: Pullover zu eng, Rock zu kurz, Make-up zu dick. Naja.

 

Studium und die linke Szene in Düsseldorf

Mein Studium fand ich von Anfang an schwierig, nicht zuletzt, weil wir viele Dozenten hatten, die ihre Karriere im Dritten Reich begonnen hatten. Einer, dessen Namen öffentlich nicht genannt mehr werden darf, hat es sogar in das Mitscherlich-Buch "Medizin ohne Menschlichkeit" geschafft. Jedenfalls fand ich den Studienbetrieb höchst unerfreulich und war kaum an der Uni zu sehen, auch dann nicht, als ich einen weiteren Studienplatz ergatterte, Psychologie. Ich wurde "Kandidat" einer dieser linken Splitterparteien, die Anfang der 70er Jahre wie Pilze aus dem Boden schossen, beriet Kriegsdienstverweigerer und - im Autonomen Frauenzentrum - Frauen in Sachen Abtreibung und Sterilisation, war in einer Gruppe "Frauengesundheit" (Selbstuntersuchung und so...) demonstrierte gegen AKW, wohnte selbstverständlich in einer WG und war im Grunde genommen mehr in den Kneipen und Discos der Düsseldorfer Altstadt als an der Uni zu finden. Gegen Ende meines Studiums erkrankte ich lebensbedrohlich an Hepatitis B, was mir später als Berufserkrankung anerkannt wurde. Aber drei schwere Schübe verzögerten meinen Studienabschluss. Ende 1979 hatte ich dann endlich mein Studium geschafft.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0