Den muslimischen Frauen gehört die Zukunft - Teil 2

Auf den ersten Teil meiner Übersetzung

von Rajaes Artikel wurde auf meiner Autorenseite, hm, leider nur typisch "islamkritisch" reagiert:

 

ich wurde von AfD- und LINKEN-Anhängern mit dummen Sprüchen angemacht, und es wurde versucht, meine Seite mit den üblichen Klischees zuzumüllen, sodaß ich leider fleissig sperren musste.

 

Die traurige Pointe: diese Kommentator*innen können den Text überhaupt nicht gelesen haben, denn in diesem Teil ging es um globale, muslimische Jugendkultur.

Im zweiten Teil geht es jetzt wirklich um Frauen. Um das empowerment von muslimischen Frauen nicht nur in der westlichen Welt. Versprochen.

Bildnachweis: www.globalfundforwomen.org/, Rajae el-Mouhandiz, The Freedom Poster

 

 

Der "Hollywood-Muslim"

Während Hollywood immer noch daran festhält, die Muslime mit durch negative Stereotype - muslimische Männer sind Schurken oder Komiker, Musliminnen unterdrückt oder an exotischen Orten verborgen - treten in den sozialen Medien mehr positive Darstellungen in den Vordergrund. Plattenlabels, Mainstream-Unterhaltungsunternehmen und die Kunstszenen scheinen es müde zu sein, "offen" muslimische Künstler zu puschen, obwohl es eine Menge ändert, daß Popstar Zayn (Malik) im Mainstream akzeptiert ist.

Nachweis: Video zur Single-Auskopplung "Pillowtalk" aus Zayns Debüt-Album "Mind of Mine". Am Video hat Zayns derzeitige Freundin Gigi Hadid mitgewirkt.

Doch während wir alle Zayn umarmen. haben (muslimische) Plattenlabel immer noch keine Lust, muslimische Künstlerinnen zu puschen, und das aus keinem anderen Grund als aus Frauenfeindlichkeit oder der weiterlaufenden Diskussion, ob es für eine Frau erlaubt ist, Musik zu machen, zu singen oder zu performen.

Das heißt nucht, daß es da draußen keine weiblichen, muslimischen Künstler gibt. In der globalen Musikszene, in der internationalen Filmindustrie und in den mehrheitlich muslimischen Ländern gibt es eine Vielzahl von aktiven Frauen, doch im Weltmaßstab - und besonders im Westen - ist deren Repäsentation aus offensichtlichen, politischen Gründen minimal, genau wie ihre Teilhabe.

 

 Die gläserne Decke durchbrechen

Der sicherste, und freie Kreativität ermöglichende, Raum für Frauen scheinen die Sozialen Medien zu sein. Die Lebenstüchtigkeit muslimischer Frauen, mit der sie ihre Onlinepräsenz mit Mode, Schönheit und Unternehmergeist kombinieren, ist ein Katalysator für positive Repräsentanz. Große Marken und Werbeagenturen haben einen Weg gefunden, mit jungen, muslimischen Konsumentinnen umzugehen, zum Beispiel über Online-Influencer oder die modest fashion - Industrie. Modest fashion wurde entwickelt und vorangebracht durch muslimische Frauen.

Forbes sagt, die muslimischen Konsumentinnen hätten 2015 geschätzte 243 Milliarden Dollar für Kleidung ausgegeben. Der Anteil der von Musliminnen gekauften modest fashion (Anm: Am besten übersetzt mit "Dezente Mode", ein Konzept, bei dem man bewusst darauf setzt, weniger Haut und weniger Körperlichkeit zu zeigen), belief sich auf 44 Milliarden.

Auch, wenn diese Statistiken den Triumph des Kapitalismus bedeuten, ist die Kaufkraft der muslimischen Jugend ein Indikator dafür, daß sie ihre eigene Erzählung schreiben und dabei ihre Kreativität nutzen. Die heutige muslimische Jugend bietet eine Alternative zu den Mainstream-Stereotypen und entmystifizieren die modernen Die Muslime/Der Westen Paradoxien. Die Auswirkungen sind erheblich: sie sind erfolgreich, sie inspirieren, und sie werden von internationalen Superstars engagiert, um mit ihnen in großen Mode- und Beauty-Kampagnen zusammenzuarbeiten.

Angesagte Marken öffnen ihre Türen und fangen an, diese neuentdeckte Kundschaft zu beliefern, doch nicht immer aus den nobelsten Gründen. Doch sie verdienen dafür Anerkennung, daß sie das tun, was die politische Führer sich weigern zu tun: Diesem jungen Publikum zuzuhören, ihre Sprache zu studieren, ihren Konsumbedürfnissen zu dienen, als Ergebnis davon erfolgreich mit ihnen zusammenzuarbeiten und so von ihrer Kaufkraft zu profitieren. In der Ära des E-commerce passt das wunderbar zusammen.

Doch diese Realität hat auch eine düstere Seite. Beim Durchsehen zahlloser Social-Media-Accounts, die Modest-Fashion-Influencers gehören, stellt sich die Frage: machen sie muslimische Frauen zum Handelsobjekt? Die jeweilige Persona der Social-Media-Hijabis perpetuiert ähnliche Persönlichkeitstypen, eingehegt durch Photofilter, Schichten von Make-up, Nonchalanten Posen in den neuesten "Mipster"-Trends (Anm.: Mipster = Muslimischer Hipster), perfekt inszeniert. Da muß ich einfach fragen, wie sie denn ihren neugewonnenen sozialen Einfluss nutzen. Was für eine Art sozialen Einflusses haben sie im Blick?  Nur die Repräsentation von dezent gekleideten Hijabis? Wie repräsentieren sie andere Musliminnen, die ihrem Einheitstandard von "dezent" keine Bedeutung beimessen?

Muslimische Frauen können nicht in Schubladen gesteckt oder mit Stereotypen erfasst werden. Musliminnen sind unterschiedlich. Sie sind unterschiedlich und man muss ihnen den Raum geben, einzigartig und differenziert  zu sein. Wie alle Frauen leben sie in verschiedenen, sich gegenseitig bedingenden Schnittmengen und Kreuzungspunkten: Gender, Religion, ethnische Zugehörigkeit und Politik. All diese Kreuzungspunkte haben Bedeutung.

All diese Facetten gilt es, zu entdecken, aufzudecken, herauszustellen und zu diskutieren, um damit einen gesunden Umgang mit der eigenen Identität herauszubilden. Am Wichtigsten ist es dabei, junge Musliminnen dahin zu führen, sich zu Frauen mit spiritueller Stärke und Selbstvertrauen zu entwickeln.

Das macht mir Hoffnung, daß muslimische Frauen zunehmend lernen, ihre kollektiven Stimmen zu gebrauchen, um die rückschrittlichen "Führer" herauszufordern, die eine ungerechte und unethische Ansicht von Frauen haben. Um diese Vision zu unterstützen, können muslimische Kreative und Künstler helfen, wirkungsvolle und erkenntnisreiche Kampagnen zu entwickeln. Da "Geld spricht" könnten Sie die Entwicklung des Marktes für Halal-Waren im Sinne des "Großen Ganzen" zu nutzen. Da die muslimischen Führer das im Allgemeinen nicht bewältigen, muß sich der Schlagbaum heben, um eine positive Repräsentanz in Hollywood, bei internationalenVerlagen, Werbeagenturen und anderen Institutionen zu erreichen. Denn die Repräsentanz muslimischer Frauen i öffentlichen Leben wird nur repräsentiert, wenn sie eine stereotype, standardisierte Version einer "Halalbeauty" herausstellt und kommerzialisiert, und die Welt heuchelt eine neuentdeckte Verehrung muslimischer Frauen.

Ich hoffe, daß sie neue Generation Muslime weiter aus ihren Komfortzonen herauswachsen wird und anfängt, einen tiefen, bedeutsamen, künstlerischen und philosophischen Dialog mit der Welt und deren Führern zu entwickeln. Ich bin dankbar dafür, von inspirierenden - muslimischen - Frauen, die mich mit ihrem Talent, ihrer Tatkraft, ihrer Beharrlichkeit und ihrer Weisheit in Erstaunen versetzen.

2007 nahm ich an der WISE-Konferenz in New York teil, die zum ersten Mal 300 muslimische Führerinnen aus der ganzen Welt zusammenbrachte, damti sie sich aneinander aufrichten und Ideen austauschen konnten. Ich hatte das Glück, ein einer Phase meines Lebens dort zu sein, als ich gerade sehr stark nach Führung suchte. Ich fühlte mich bestärkt, weil ich in einem Raum voller unterschiedlicher muslimischer Führerinnen aus verschiedenen Generationen war, die eines gemeinsam hatten: die Schranke hochzuheben, und das Spiel zu drehen, gamechanger zu sein. Ihre Gegenwart beiseitigte meine Furcht und stärkten much, meinem künstlerischen Weg zu folgen und den steilen Hügel hinaufzuklettern, der dann folgte.

Künstler, und in diesem Kontext besonders muslimische Künstlerinnen, haben die Macht, unbequeme Themen aufs Tapet zu bringen, unser kollektives Bewusstsein wie unsere Ängste herauszufordern. Kunst soll uns helfen, mit unseren fragilen, menschlichen, und manchmal hässlichen Seiten in Kontakt zu kommen. 

Künstler gehen unter die Tünche und berühren das, was unter der maskentragenden Gesellschaft zerbrochen ist, und welche Masken uns diese alten Reiche zwingen, zu tragen. Es ist an der Zeit, daß muslimische Frauen im Allgemeinen und muslimische Künstlerinnen ihre Stimmen erheben. Sie sind Teil der - muslimischen - Führerschaft und sie kommunizieren mit der Welt. In modernen Zeiten heisst das, mit modernen Mitteln, auf Mainstream-Plattformen, und sie heben dabei den Standard von Kommunikation und Repräsentation. Sie sind die gamechanger, denen die Welt zuhören muss. Ihnen gehört die Zukunft. Einem Mädchen nach dem anderen.

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