Wegen israelischer Schauspielerin - Bloggerin 'Muslim Girl' lehnt Preis ab

Dafür habe ich kein Verständnis: die amerikanische  (mit palästinensischen und jordanischen Wurzeln) muslimische Bloggerin Amani al-Khatatbeh hat einen Preis der Kosmetikfirma Revlon abgelehnt, da die israelische Schauspielerin Gal Gadot Revlons neue Markenbotschafterin ist. Al-Khatatbeh ist in den USA recht bekannt und wurde auch schon mehrfach von CNN interviewt. Sie hat einen Mehr-Autorinnen-Blog, den sie zu einem muslimischen Frauen-Kommunikationsnetzwerk ausbauen will, und der in der englischsprachigen Welt schon als DAS englischsprachige Portal für muslimische Frauen gelabelled wird und pro Jahr einhundert Millionen Zugriffe verzeichnet. Wegen ihres Engagement wollte die Kosmetikfirma Revlon ihr ihren "Changemaker Award" verleihen, weil sie genau das verkörpert, was Rajae el-Mohandiz in ihrem Artikel beschrieb: Musliminnen, die sich ihre Präsenz in Wirtschaft, Kultur und Medien erobern.

 

Aufsteigender muslimischer Medienstar

Gemessen an ihrem jugendlichen Alter hat al-Khatatbeh schon beindruckende Leistungen vorzuweisen: Als 17-jährige, noch auf der High-School, hat sie ihren Blog gegründet, der, wie oben erwähnt, pro Jahr 100 Millionen Zugriffe hat. Mittlerweile haben ihr große Medien wohlwollende Artikel und Interviews gewidmet, wie der Guardian, sie bloggt ebenfalls in der Teen Vogue wie im Forbes Magazin, wird dort "aufsteigender Medienstar" genannt, die die Stereotype über muslimische Frauen zertrümmere, oder gleich "Medientitanin".

Jetzt hat Sie eine Auszeichnung der Kosmetikfirma Revlon abgelehnt, der eben jenes bereits erreichte "Lebenswerk" belohnen wollte, und das im Rahmen einer Kampagne "Live Boldly", lebe kühn... Sie lehnte den Preis ab, da die israelische Schauspielerin Gal Gadot, die für Revlon wohl perfekt zur Kampagne gepasst hat, Revlons neue Markenbotschafterin ist. Al-Khatatbeh wirft ihr "vocal support" für israelischen Streitkräfte im Allgemeinen und die Besetzung des Westjordanlandes im Besonderen vor, ohne das jedoch zu belegen.

"Ikonen des Widerstandes"

Insbesondere nimmt al-Khatatbeh Anstoß an der Inhaftierung von Minderjährigen, aktuell der 16-jährigen Palästinenserin Ahed Tamimi, die festgenommen wurde und sich vor einem israelischen Militärgericht verantworten muss, da sie,  wieder mal, einen voll  durchuniformierten israelischen Soldaten ins Gesicht geschlagen hat. Das wurde, wie viele andere Aktionen, die Ahed seit Jahren durchführt, gefilmt und auf youtube gestellt, weswegen israelische Medien von "Pallywood" und "Shirley Temper" sprechen - früh übt sich...

Jetzt soll sie offenbar als "das Gesicht, bzw. die Ikone des Palästinensischen Widerstandes" hochgeschrieben werden ...

... wie vor ihr Souhaila Andrawes, die einzige Überlebende des Terrorkommandos, das 1977 die "Landshut" entführte, übrigens eine palästinensische Christin. Sie soll die Brutalste der Truppe gewesen sein. Die taz schreibt zum 30. Jahrestag der Enführung, also 2007 über sie:

Andrawes - ihr Kampfname war Soraya Ansari - wurde von den Entführten als hart und herzlos beschrieben. Co-Pilot Jürgen Vietor erinnerte sich in einem Interview vor einem Jahr: "Sie war die Brutalste, schlug die Geiseln, fesselte sie extrem stramm und übergoss sie mit Alkohol - damit sie besser brennen." An Bord nannten die Geiseln Andrawes "die Dicke".

Bildnachweis: ap: "...tötet mich, tötet mich..." Andrawes, durch Schüsse in Beine und Lunge schwer verletzt, hebt die Hand zum "Victory"-Zeichen. Auch dieses Bild hatte 1977 für viele Ikonencharakter.

1996 wird sie in Hamburg angeklagt, zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt, ein Jahr später nach Norwegen überstellt und 1999 wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes begnadigt. Ihre Äusserungen seitdem bewegen sich zwischen "Reue, Trotz und Tränen".

Andrawes wurde nach eigenen Aussagen durch eine weitere Ikone motiviert: Leila Chaled - übrigens auch sie, die später zur Atheistin wurde, mit christlichem Familienhintergrund. Chaled war eine der weltweit ersten Flugzeugentführerinnen. Nur die nationalistische Argentinierin Maria Cristina Verrier war früher (1966) dran.

Chaled zog sich nach der Teilnahme an einer zweiten Flugzeugentführung zurück und beschränkte sich fürderhin auf die Tätigkeit als Mitglied der linksextremen PFLP (Volksfront für die Befreiung Palästinas). Die PFLP steht sowohl auf der Terrorliste der EU als auch auf der Terrorliste der USA.

 

Chaleds Bild war auf Demonstrationen der 68er Epoche fast so unvermeidlich wie das von Che Guevara. Dem Fotografen Eddie Adams ist nicht nur mit diesem Bild eine Ikone gelungen. Weltberühmt wurde auch seine Fotoserie, die die Hinrichtung eine Vietcong-Kämpfers durch den Polizeichef von SaigonGeneral Nguyen Ngoc Loan zeigt. Später, als er erfuhr, daß dieser Vietcong zuvor eine ganze Familie ausgelöscht hatte, hat er sich offiziell bei dem General entschuldigt.

Bildnachweis: (c) Eddie Adams

 

Freundfeindbild "schöne Israelin", oder: wer ist Gal Gadot?

Gal Gadot, ehemalige "Miss israel", Model, profiliert sich jetzt als Schauspielerin und wird nach meinem Eindruck jetzt genauso als Projektionsfolie mißbraucht. Sie spielt jetzt in einem Action-Fantasy-Film, einer Comic-Verfilmung,  eine Rolle, Wonder Woman, dessen Plot so plemplem ist, daß ich mir den Film nicht freiwillig ansehen würde: Amazonenprinzessin greift in den Ersten Weltkrieg ein...

Über Gadot jubelt die Presse. Einige haben sich zu einigem Blödsinn verstiegen, aber erstmal das, was einem Faktencheck standhält: 

1,78 groß, 32 Jahre alt, hat, wie alle Israelinnen ihren zweijähigen Wehrdienst absolviert und ist offensichtlich auch religiös. Ihre Stunts hat sie, nach intensivem Training zum großen Teil selbst gemacht. Sie hat an einer Fotoserie Motto: "so schön sind unsere Soldatinnen" beteiligt und 2014 dazu aufgerufen, für die Soldaten, die gegen die Hamas kämpfen zu beten. Über diese Tatsachen wird jetzt von Freund und Feind die Soße der eigenen Projektionen gekippt:

Sie habe in Gaza gekämpft. Gadot ist 1985 geboren, Israelinnen werden im Alter von 18/19 Jahren zu den Streitkräften eingezogen, das wäre 2003/4 gewesen und es handelte sich um Raketenabschüsse. Eine 19-jährige Wehrpflichtige in einer Kampfeinheit? Wenn frau Dienst in den Kampfeinheiten machen will muß sie sich für drei Jahre verpflichten, desgleichen, wenn sie eine "Laufbahn" anstrebt, von der die Stuttgarter Nachrichten schwätzen.

Ihre Fitness habe sie sich ebenfalls beim Militär erworben. Toll! Die hat dann mehr als 10 Jahre gehalten. Ja, und sie hat sich für eine Fotostrecke ablichten lassen. Das, zusammen mit dem Gebetsaufruf, wird zum vocal support hochgejubelt. Ja, und wenn schon... Von z.B. Nathalie Portman, Tova Feldshuh und Barbra Streisand ist bekannt, daß sie sich auch aktiv für Israel einsetzen, aber das wurde nicht so skandalisiert, wie das jetzt bei Gadot der Fall ist. Nicht nur "Muslim Girl" weigert sich, einen Preis der Kosmetikfirma Revlon engegen zu nehmen, weil Gadot dort Markenbotschafterin ist. In einem offenen Brief auf ihrem Blog begründet sie das damit, daß man auf die israelische Praxis, auch Kinder in Haft zu nehmen, ein Licht werfen müsse. Sie wirft Gadot - aus meiner Sicht ohne Beleg! - "unverhältnismäßige Unterstützung" von Israels Angriffen auf Palästina vor. In Algerien, Tunesien , dem Libanon und Jordanien wurde der Film verboten, und zwar deutlich zeitlich vor der geplanten Preisverleihung.

Wie solche Aktionen dem Anliegen - für das auch Amnesty schon eine "urgent"-Aktion gestartet hat - Israel möge Ahed Tamimi und die anderen inhaftierten Kinder - mit 16 ist man kein Kind mehr - helfen soll, und was genau Gal Gadot dabei tun soll, verrät uns Muslim Girl nicht. Die allgemein positiven Artikel über sie werden in der englischsprachigen Presse jetzt durch negative Artikel abgelöst - ich weiß nicht, ob sie sich damit einen Gefallen getan hat...

Ich habe aus Gadots fb-Account mal den nebenstehenden Post gescreenshottet: Gadots Großvater, Abraham Weiss, hat als einziger seiner Familie Auschwitz überlebt. Gadot ist mit Sicherheit davon beeinflusst. Sie hat es weder verdient, von den Pro-Isralikern, noch von den "Freunden Palästinas" mit deren Projektionen bepflastert zu werden. Und vielleicht sollte jemand dem Fräulein al-Khatatbeh erklären, daß ihr Peer-Group-Posing, ohne daß sie die Quellen für ihre Vorwürfe aufdeckt und ohne daß sie benennt, wie das den inhaftierten Jugendlichen helfen könnte, und was Gal Gadot dabei tun könnte, ein Aufruf zu einem Judenboykott ist. Das hatten wir schon mal! Für die "Helden" in Tunesien, Jordanien, Algerien und dem Libanon gilt sinngemäß das Gleiche. Bevor allerdings jemand jetzt ganz laut "muslimischer Antisemitismus" schreit - für mich passt hier das folgende Sprichwort:

Erkläre nichts mit Bosheit, was Du bereits mit Dummheit erklären kannst!

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